Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 45 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2708691-2708699-2708701--166-2708899- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auf e^rc Sie!! mg zu dem Bsnern selbst günstig zurückwirken. Ihr müßt euch a0 jedem Alenü klar werden, ob ihr an dem Tage die Arbeit ebenso eingeteilt hättet und wie. ihr es am nächsten Tage machen* würdet Bs ist auch notwendig, daß Ihr euch tägliche Aufzeichnungen macht, etwa in dem bekannten Kaie ider von Menzel & Lengerke, den überhaupt jeder haben sollte. Und ihr muSt rueh ü^r die ganze Wirtschaft Aufzeichnungen machen, die enthalten: Erste Hungsplan, Fruchtfolge, Düngung, Aussaat mengen, angebaute Sorten, Ertrüge, gelöste Preise, Bearbeitung der einzelnen Früchte, Versuch einer Berechnung des Reinertrages und sonst Bemerkenswertes. Um es also noch einmal zu wiederholen: llj2 Jahre sollte der Anfänger in einer Wirtschaft aushalten, wenn sie gut ist. Hat er den Eindruck, daß das eicht der Fall ist, so muß er natürlich wechseln und vielleicht gleich im Spätjahr in eine andere Wirtschaft gehen, wo er dann ein Jahr verbleibt. Ich erwähnte schon, daß möglichst immer zwei zu einem Bauer gehen sollen und wenn das nicht angängig ist, dann sollten wenigstens mehrere nach einem Ort gehen, so daß die Einsamkeit nicht so fühlbar wird. Aber auch wenn das nicht angeht, sollte jeder versuchen, mindestens l'/i Jahre durchzuhalten. Wie die Dinge liegen, müssen wir getrennt lernen, um vereint zu arbeiten. Ich habe dies alles etwas ausführlich behandelt, weil es mir als das Wichtigste erschien. Nach dieser ersten P/2 jährigen Lehrzeit käme nun der Winter und die Frage: Wie nun weiter? Sie kann nicht allgemein beantwortet werden. Das Gegebene wäre, nun etwas Theorie zu treiben. Für den deutschen Bauernsohn kommen da die landwirtschaftlichen Winterschulen in Betracht Sie sind aber für Leute eingerichtet, die die Gemeindeschule absolviert haben, da ein großer Teil des Unterrichts sich auf die Elementalfächer erstreckt. Hinzu kommt, daß die meisten Winterschulen überfüllt sind und viele nur Schüler aus dem betreffenden Kreise aufnehmen. Für unsere Leute kommt die Aufnahme als Schüler kaum in Betracht, sondern die als Hospitant, der von den Elementarfächern befreit ist und nur an dem Fachunterricht teilnimmt. Ich werde mich bemühen, geeignete Winterschulen ausfindig zu machen und J)itte um Mitteilung von Erfahrungen an das Arbeitsamt. Den Winterschulbesuch als Hospitant schlage ich also bei dem hier skizzierten bäuerlichen Lehrgang in erster Reihe vor. Ist das nicht möglich, so bliebe für theoretische Ausbildung nur die Kochschule. Den Studiengang dort denke ich mir so. daß nur einige Kollegs be- *£gt werden und zwar würde ich hierfür folgende als die wichtigsten vorschlagen: allgemeine Acker- und Pflanzenbaulehre einschl. der Düngerlehre, bzw. spezielle Acker- und Pflanzenbaulehre, landwirtschaftliche Betriebslehre, „ Buchführung, 9 Fütterungslehre Wer besondere Interessengebiete hat, mag evtl. noch über Tierzucht, ^ber Gemüsebau. Obstbau, Molkerei hören oder evtl. wenn er die naturwissenschaftliche Vorbildung hat, ein agrikulturchemisches Praktikum mitmachen. Jedenfalls soll man sich nicht allzusehr verzetteln und lieber leichtverständliche 45