Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 44 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ein-gutes seift» Außerdem ist natürlich in Betrieben, wo nur der Bauer mit Fair.ilie arbeitet, die Verpflegung eine bessere und auch die Arbeitseinteilung angenehmer. üeber die Art des Betriebes kann man'allgemein sagen: je intensiver» desto bosser zum lernen. Ferner sollte man bei der Stellensuche sein Augenme& h^nUZrilkh auf *v*Hdeutschland richten und zwar weniger auf Bayern ',T!i ^H-iwcstd'?^!^'1---■ *■"•':: -Lso Y/m Hemberg, Bodenseegegend, Rheinhessen, i3ri?v;V'Hlz u. -S t 1'- v -s^::? hegenden spielt überhaupt der Kleinbetrieb eine grH^rrt1 Rolle als in Norddeutschland, es wird viel Vieh gehalten und vor allem v id man viele Stellen finden, auf denen auch Obst- und streckenweise Weinbau getrieben wird. Dies beides ist im Hinblick auf Palästina besonders wichtig. Was die Zeit anbelangt, die ein junger Mann ohne sonstige landwirtschaftliche Erfahrung bei dem Bauern zubringen soll, so bin ich der Ansicht» daß der Praktikant, wenn er eine wirklich gute, vor allem gut bewirtschaftete Steile erwischt hat, l5/s Jahre dort bleiben sollte, d. h vom 1. März des einen Jahres bis etwa Ende Oktober des folgenden. Das geschieht gewöhnlich nicht* In der Regel hört man, daß unsere Leute eine Sommersaison bei einem, manchmal auch zwei Bauern bleiben, im Winter nach Hause gehen und im liebsten Frühjahr eine neue Stelle suchen. In vielen Fällen mag das an den Bauern!*^<ren, die in der arbeitssehwachen Jahreszeit die Hilfskraft sparen wollen, v/rr aber gleich beim Antritt ausmacht, ^aß er den Winter über und evtl auch dea kommenden Sommer dableiben kann, wird das in der Regel durchsetzen/ Dieser Punkt darf bei der Stellenauswahl nicht übersehen werden. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie ich als 18 jähriger Mensch aufs Land ging, d 3 ich erst im zweiten Jahr das richtige Verständnis für die* Arbeit bekam. Vvir sind eben Städter und keine Bauern jungen. Unser Auge muß erst geschult werden und das braucht Zeit ebenso wie die Hand. Und unser Q-hira ist ein anderes als das des Bauern. Ihr werdet wohl schon alle die Erfahrung gemacht haben, daß% der Bauer eure Fragen nicht so beantworten kann» wie ihr es wünscht. Und ihr werdet auch die Erfahrung gemacht haben, daß sich in der Landwirtschaft viele Dinge nicht einfach erkläien lassen Ihr müßt auch erst lernen, richtig zu fragen und dann werdet ihr manche Frage selber beantworten können. Vor allem aber ist es der ganze Umtrieb der Wirtschaft, den ihr erfassen müßt. Ihr müßt wissen, wieviel Heu, wieviel Rüben und Kartoffeln und wieviel Körnerfrüchte notig sind, um das Vieh durch den Winter zu bringen; man m ß wissen, welche Arbeiten zum Winter gemacht werden» *wenn sie auch rieht immer so interessant sind, wie die Sommerarbeiten. Es genügt nicht, daß der Bauer euch sagt, der Roggen lohnt heuer gut» ihr müßt auch selber beim Dreschen dabei sein usw Es ist weiter nichts, dagegen zn sagen, wenn man im Dez /Jan. vier Wochen Ferien macht, aber man sott nicht ein halbes Jahr ganz herausgehen aus der Praxis.^ Ich will noch auf einiges hinweisen, was vielleicht manchem nebensächlich erscheint. Ihr müßt euch trotz aller körperlichen Anstrengung und selbst wenn ihr glaubt ausgenutzt zu werden, nicht die Knechtsmentalität zu eigen zu machen. Nicht darauf kommt es an» daß ihr eure Arbeitszeit genau innehaltet und wißt, welche Vesperzeit euch zusteht. Jeder muß sich selbst als Bauer fühlen und so handeln, als wäre er im eigenen Betrieb. Das wird auch :44