Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 43 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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aber Im zweiten Jahre unier sonst günstigen Bedingungen an seinem, Beruf Doch dauernd krankt und nur mit Aufbietung aller Kraft ausharren kann, dem rate ich, überhaupt einen anderen Beruf zu ergreifen. Die Arbeit iruß «gern getan werden. . Pionierstimmung ist nicht Märtyrerstimmung, aber vielleicht mehr. Für die^ praktische Ausbildung gibt es nun folgende Möglichkeiten in Deutschland für den Anfänger; 1. Bauenistellen, wo der Praktikant gegen freie Station, unter Umständen. gegen ein kleines Entgelt arbeitet 2. Größere Güter, meist Christen gehörig, auf denen er alsVolontär oder Eleve die Landwirtschaft erlernt und neben den praktischen Handgriffen auch als Aufsichtsbeamter tätig ist. Dort wird heute ein Lehrgeld von etwa 2000 Mark jährlich entrichtet und Familienanschluß an die Familie des Leiters gewährt Kleinere Güter, besonders in Süddeutschland, auf denen Volontäre, die fest zupacken müssen, gegen freie Station angenommen werden. / 3. Lehrgüter, wo gegen ein nicht unbeträchtliches Lehrgeld praktische und wenigstens z T. auch theoretisch© Ausbildung erfolgt. 4. Großbetriebe, die Juden gehören, und auf denen jüdische junge Leute als Arbeiter gegen freie Station und Bezahlung beschäftigt werden. Das sind im allgemeinen die Möglichkeiten für die praktische Ausbildung; auf die theoretische komme ich nachher noch zurück und will nur vorweg erwähnen, daß eine theoretische Ausbildung vor der praktischen gänzlich wertlos, ja eher schädlich'ist Von den genannten Ausbildungsmöglichkeiten halte ich für unsere Zwecke fdie auf Bauernstellen für' die geeignetste. Der Praktikant hat dort die meiste Aussicht, an alle Arbeiten heranzukommen und sie vollkommen zu erlernen, er kann auch mit Vieh umgehen lernen, bei der Kleinheit des Betriebes ist die Uebersicht leicht und vor allem, er kann bäuerlich wirtschaften lernen und wird daran gewöhnt, sich zu behelfen unter Verhältnissen, wie sie später einmal für ihn der eigene Betrieb bieten wird. Aber nicht alle können auf bäueniche Betriebe gehen. Meines Dafürhaltens sollten nur kräftige, junge Leute im Alter von 18—24 Jahren derartige Stellen aufsuchen. Wer. zu jung oder zu alt ist und wer auf rituelle Verpflegung und Sabbathruhe hält, kommt dafür nicht in Betracht^ Bezüglich der Stellenauswahl halte ich folgendes für wichtig; Man gehe nicht zu Großbauern, die mit mehreren fremden Knechten oder Arbeitern wirt-' scharten. Das Verhältnis zu den Knechten wird selten ein gutes sein; der Praktikant steht in der 'Mitte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und wird es meist mit beiden verderben. Entweder er ist Schikanen ausgesetzt oder er lernt nichts, und wenn er sich gar berufen fühlt, die Stellung des deutschen Landarbeiters zu heben, so wird er es meist schnell erreichen, daß überhaupt kein Jude in der Gegend angestellt wird. Das Beste ist ein Mittelbauer, der mit seiner Familie sein Land bestellt und wo der Praktikant bzw. die Praktikanten, was noch besser ist, die einzigen Fremden sind. Jedenfalls sollten unsere Leute nicht in bäuerliche Betriebe gehen, die mehr als einen fremden Arbeiter haben! Unter den heutigen Leuteverhältnissen auf dem Lande wird der Bauer meist froh sein, einen ehrlichen Angesteilten zu haben und bei einigem Geschick wird das Einvernehmen 43