Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1920-12-01 · 3 (12.1920) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
3 (12.1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 42 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2708691-2708699-2708701--163-2708896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gut wirtschaften gelernt hat, der wird auch drüben ökonomisch vorgehen. Das alles sind Selbstverständlichkeiten, aber nicht selbstverständlich genug für manche unserer Planmacher, denen doch das Beispiel der Württemberger in Palästina zeigen sollte, welche Vorteile der gelernte Landwirt vor dem Neuling hat Ich fürchte nicht, daß unsere Leute nach dreijähriger Praxis in Deutschland auch den bäurischen Dickschädel sich so zu eigen gemacht haben» daß sie sich veränderten Bedingungen nicht mehr arpassen können. Wie und wo soll nun der junge Mann die landwirtschaftliche Vorbereitung auf Palästina in Deutschland betreiben? Wie lange Zeit hat er darauf zu verwenden? Wer kann überhaupt auf Et folg rechnen? Die letzte Frage will ich zuerst beantworten. Palästina wird keinen privaten Großgrundbesitz haben. Es werden voraussichtlich noch eine Reihe von N. F - Farmen eingerichtet werden, ihre Zahl wird aber beschränkt bleiben, und da sie in der Hauptsache wohl dazu dienen werden, die sogenannte Okkupation neuen Landes vorzunehmen, d. h. also die spätere Ansiedlung von Kolonisten vorzubereiten, wird die Zahl von Gütern, die administrativ verwaltet werden; wohl niemals sehr groß sein, um so weniger als die Kwuzotb wahrscheinlich vielfach die Okkupation ohne Administration durchführen können. Auf die Stelle eines leitenden Beamten, der also nicht selber mitarbeitet, können deshalb nur so wenige rechnen, daß es ein großes Risiko ist, seine Ausbildung darauf einzurichten. Wenn in den nächsten 10 Jahren 10 bis 20 Inspektoren für Großbetriebe in Palästina aus Deutschland Anstellung finden, so erscheint mir das bereits viel, umso mehr als vermutlich die Länder, die die Hauptgelder beisteuern werden, auch die leitenden Beamten stellen werderv Daß ein deutscher Jude aber selbst einen Betrieb einrichten kann, bei dem er sich auf die, Leitung beschränkt, ist unter den gegenwärtigen Umständen ziemlich ausgeschlossen, wo eine Kleinbauernwirtschaft in Palästina nach unserem Gelde mehr als eine halbe Million kostet . Wer sich also dem landwirtschaftlichen Beruf zuwendet, muß wissen daß — von einer verschwindend kleinen Zahl landwirtschaftlicher Beamten abgesehen — nur die ständige Selbst arbeit ihm bevorsteht und günstigenfalls die Aussicht besteht, daß er ein selbständiger Kitin- bis Mittelbauer werden kamt. Dabei muß er mit der Tatsache rechnen, daß er bis zur Selbständigkeit längere Zeit als Landarbeiter schaffen muß. /. Also nur wer körperlich einem solchem Leben völlig gewachsen ist, so! Landwirt werden. Ich kann das nicht genug; betonen. Der Wille allein tut es nicht Die innerliche Umstellung auf den neuen Beruf erfordert ohnehin manches Opfer, ganz besonders aber die Lehrzeit. Wer da körperlich nicht mitkann, wird auch seelisch erliegen. Diese seelischen Schwierigkeiten, mit denen wohl schon jeder, der aus der Stadt in die landwirtschaftliche Praxis gegangen ist, zu ringen hatte, will ich hier nicht eingehend schildern. Die physische Ermüdung, die Eintönigkeit des Lebens und der Mangel an geistiger Anregung in Verbindung mit den Unzuträglicbkeite», die die Knechtschaft bei Gojim und die Fremdheit des Milieus mit sich bringen, verursachen meist nach einigen Monaten. eine Krise. Gleich hieraus den Schluß zu ziehen, daß man ungeeignet sei, wäre aber verfrüht. Denn ein Teil der genannten Schwierigkeiten liegt an der goitischen Umgebung und entfällt später in Palästina« Wer 42

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.