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Blau-Weiss-Blätter · 1920-12-01 · 3 (12.1920) · p. Seite 37

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
3 (12.1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 37 (sequence 7)
Language
German
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könnte. Wieviele von Ihnen, die die Hochschule besuchen, mögen nur balbbef riedigt von der Vorlesung nach Hause gehen. Uod was wollen sie überhaupt mit den theoretischen Kenntnissen ohne genügende Praxis in Palästina anfangen? Der Drang in möglichst kurzer Zeit viel zu lernen und zu wissen, um möglichst bald nach Palästina zu gehen, ist verständlich, aber geradezu verhängnisvoll iür unsere ganze Arbeit. Wir wollen doch für Palästina Pioniere und nicht Pfuscher großziehen, die Meinungen in Fachdingen zu haben glauben, die nicht die ihrigen sind. Die gärtnerischen Kenntnisse sind nur ganz allmählich und nur durch langjährige Erfahrung zu erlernen. Man muß gewissermaßen in den Beruf hineinwachsen, um mit ihm dann ganz einig zu werden. Und der Besuch einer Hochschule ist nur dem zu empfehlen, der mindestens 4 Jahre praktisch gearbeitet und ein gewisses Maß grundlegender eigener Erfahrung besitzt Wem der Ernst der Verantwortung für sich ued für die allgemeine Palästinaarbeit abgeht, soll lieber das Opfer bringen, und weder Landwirt noch Gärtner werden. Wir müssen endlich einmal mit dem Dilettantismus, an der die Bewegung der Berufsumschichtung schon von jeher gekrankt hat, aufräumen, wir müssen die Dinge so sehen, wie sie in Wirklichkeit sind, und vor allem das Selbstzuüberwinden lernen. Nun verlangen Sie wahrscheinlich von mir die Aufstellung eines bestimmten Programms, nach dem positive Arbeit auch in Ihrem Sinne geleistet werden könnte, d. h. unter Berücksichtigung der Lebensweise, wie es Ihnen als Ideal für Palästina vorschwebt. Das ist mir natürlich nicht möglich, weil wir uns zunächst an die gegebenen Verhältnisse in Deutschland halten müssen. Ob sich nun die Kolonisation in Palästina im Sinne Soskins oder Ruppins oder irgend eines andern Volkswirtschafllers entwickeln wird, spielt für die Ausbildung nur eine sekundäre Rolle. Für uns gilt es zunächst richtig praktisch arbeiten zu lernen. An und für sich halte ich die Methode Simons, übertragen auf zionistische Verhältnisse, als die geeignetste für die Erziehung zur Arbeit. Wir müßten, weil nun einmal doch nicht die Aussicht besteht, in absehbarer Zeit einen großen Teil der Juden nach Palästina zu^üb ersiedeln, eine ähnliche Institution wie Ahlem schaffen, also ein Landheim verbunden mit einer praktischen Gärtnerlehranstalt. Die jurgen Menschen sollen in ihrer frühsten Jugend an körperliche Arbeiten gewöhnt werden, aber gleichzeitig in der Lage sein, einen guten Schulunterricht zu genießen. Dabei würden sich Geist und Körper harmonisch entwickeln und die angestrebte Regeneration des jüdischen Menschen sich vollziehen können. Bei geeigneten Lehrkräften, wofür wir die besten unter unseren christlichen Berufsgenossen heranziehen müßten, und unter Mitwirkung tüchtiger jüdischer Pädagogen kann eine solche Anstalt das brauchbarste Menschenmaterial für [den Nachschub liefern. Ein solcher Plan ließe sich dann verwirklichen, wenn die Zionistische Zentrale erst einmaj erkannt haben wird, wie eminent wichtig die Ausbildung tüchtiger Fachleute für unsere Arbeit ist. In Halbe wäre z. B. die Grundlage vorhanden, auf der ein solcher Plan zur Verwirklichung gebracht werden könnte. Solange wir; aber diese ideale Institution nicht haben, müssen wir auf andere Weise der; schulbesuchenden Jugend, die sich für den Gartenbau interessiert, die Wege der Vorbereitung zeigen. So wäre es zweckmäßig, daß der Blauweiß in derj Nähe der Großstädte Schrebergärten einrichtete, unter der Leitung von praktisch: - , " ' -. ' "; ' t d7:

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