Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 36 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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zweck. Die im Gärtnerberuf ausgebildeten Leute waren der Zahl nach 20 wenige, als daß diese Tatsache irgendwie einen nennenswerten Einfluß auf das soziale Verhältnis zwischen Juden und Christen haben konnte. Ich habe auch erklärt, daß der verhältnismäßig geringe Erfolg auf das Konto der jüdischen Oeffentlichkeit, die nicht klar erkennen konnte, worauf es ankam, zu setzen ist Und noch immer glaubt diese, daß die schwächsten Elemente an Körper und Geist noch gut genug seien, sich dem Gärtnerberuf zu widmen* Daß das ein Irrtum und geradezu eine große Gefahr für die Bewegung ist, brauche ich Ihnen nicht mehr zu sagen. Für uns Zionisten sind aber ganz andere» höhere Momente maßgebend. Wir sind unabhängiger und freier in unseren Anschauungen, wir brauchen nicht zu fragen, ob es unseren Staatsgenossen angenehm oder unangenehm ist, daß wir uns den Bodenberufen widmen. Uns belebt nur die Aussicht, später für unser Land zu arbeiten, und deshalb kommen die Faktoren, die die Entwicklung der assimilatorischen Arbeit hemmten, für uns nicht in Betracht. Dafür aber treten andere und nicht weniger gefährliche Momente für uns in Erscheinung. Und das ist zunächst die zu stark entwickelte Intellektualität der sich zu den Bodenberufen hindrängenden zionistischen Jugend. Und dann ihre allzufeine Reaktion auf äußere Eindrücke und die Schwerfälligkeit sich an eine wesensfremde Umgebung zu gewöhnen. Man kann und soll natürlich der geistigen Beweglichkeit keinen Einhalt gebieten, man muß aber immer wieder diejenigen geistig hoch entwickelten Jungen, die zu hastig und schnell jedes Fachwissen verschlingen möchten, vor dem Ergreifen des Gärtnerberufes warnen. Der Gartenbau läßt sich nicht in zwei Stunden erlernen, wie es einmal Herr Trietsch behauptet hat. Es gehören dazu Eigenschaften, die wir Juden meist nicht haben: Ausdauer, Zähigkeit, Selbstdisziplin und Selbstbescheidenheit Die eintönig erscheinenden Arbeiten im Gartenbau haben einen ganz anderen Charakter, wenn man eine angeborene Liebe nicht nur zur Betätigung im Freien, sondern zu der ganzen lebendigen kleinen Welt gewinnt, zu den mm als Gärtner in Beziehung tritt. Gerade der Gartenbau ist für uns Juden besonders anziehend, weil er wirklich in bedeutenderem Maße als die Landwirtschaft der jüdischen Psyche entspricht. Mäu muß aber zunächst, wenn man Gäitner werden will, für lange Zeit mit vielen Gewohnheiten, die man lieb gewonnen hat, einfach brechen, und seine ganze Persönlichkeit ganz in den Dienst des Berufs stellen, um nicht nur den Strapazen die er bringt gewachsen zu sein, sondern um all die Erscheinungen die uns das tägliche Zusammenleben mit unseren Berufsgenossen bringt, zu überwinden. Solange wir nicht genügend jüdische Institutionen haben, in denen intensiver Gartenbau getrieböu und jüdische Arbeit in einer jüdischen Umgebung geleistet wird, sind wir auf die Stellen angewiesen, die uns deutsche Berufsgenossen zur Verfügung stellen. Die Menschen, die uns da begegnen, sind nicht immer liebenswürdjg und feinempfindlich, und da sind wir bei unserer typisch jüdischen Empfindsamkeit leicht geneigt, dort Antisemitismus zu wittern, wo in Wirklichkeit nur Mißtrauen gegen unsere Auffassung vom Leben und von der Arbeit vorherseht Deshalb muß man, wenn man sich einmal entschlossen hat, Gärtner zu werden» unter allen Umständen in der Lehre aushalten. Man darf sich auch nicht dem Wahn hingeben, daß mau nach */* Jahr Gartenbau reif für die Hochschule sein