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Blau-Weiss-Blätter · 1920-12-01 · 3 (12.1920) · p. Seite 35

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
3 (12.1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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an den Seminaren, mußte man all die Jahre seit der Gründung von Ahlem und noch heute gegen die Verständnislosigkeit der judischen Öffentlichkeit ankämpfen, die da glaubt der Pflicht gegen Ahlem damit Genüge zu tun, daß sie eine mehr oder weniger große Spende der Anstalt zuweist. Wenn wir aber eine Untersuchung anstellen, was man Ahlem darüber hinaus durch Beziehung oder Empfehlung, durch Ueberweisung an Menschenmaterial zukommen ließ, so müssen wir erstaunen über die geradezu verhängnisvolle Naivität, mit der die jüdische Oeffentlicbkeit Simons Gedanken auffaßte: Neben einer Anzahl begabter, junger Menschen, namentlich solcher, die aus den östlichen Ländern stammten und meist aus Privatinitiative Ahlem als Ausbildungsstätte aufsuchten, wurden viele dorthin geschickt, nicht etwa um ernstlich den Beruf zu erlernen, sondern um entweder für ihrä geschädigte Gesundheit Erholung zu suchen, oder weil sie auf der Schule oder In einem schon ergriffenen Beruf nicht vorwärts kamen , und ihnen der Gärtnerberuf gerade gut genug erschien, einen bequemen Ersatz zu bieten. Kurz, es fehlte die .Homogenität des Menschenmaterials, die die Erziehung im Sinne Simons nicht nur benachteiligte, sondern die Entwicklung der besser begabten Elemente behinderte. Und so sehen wir, daß einige schon während der Lehrzeit Ahlem verlassen, andere können die Beendigung der Lehrzeit kaum erwarten um sich einem andern, vornehmlich dem Handelsberuf zu widmen, andere wenden sich später vom Beruf ab,* als sie einsehen müssen, daß sie im wirtschaftlichen Kampf es mit den christlichen Kollegen nicht aufnehmen können, und so verminderte sich immer mehr die Zahl derjenigen, die berufen sein sollten, die Simönsche Idee als Pioniere in die Tat umzusetzen. Dann kam in den letzten Jahren die große Bewegung unter der zionistischen Jugend. Man fing auch von zionistischer Seite an, sich ernstlich mit der Berufsumschichtung zu beschäftigen. Der Anstoß dazu kam von der Blau- Weiß-Bewegung. Die zionistische Idee setzte bei der Jugend das innere Erleben in Schwingung, die zur Aktivität drängte. Die gemeinsamen Wandeningen, das Erleben der Natur und Jiicht zuletzt der Einfluß einschlägiger sozialistischer Literatur wies der Jugend den Weg zur Arbeit. Sie drängte sich nun mit Ungestüm zu dem Bodenberuf. Die Führer waren nicht nur mit fortgerissen, sie setzten es sogar jedem zur Pflicht, sich irgendwie für Palästina vorzubereiten, die Jungen landwirtschaftlich, die Mädchen gärtnerisch. Man ging frohgemut hinaus in die Bauernhöfe und "auf die Güter, ebenso wie man es früher bei den Wanderungen getan hatte, ohne eine richtige Vorstellung zu haben, was Arbeit ist, was wochenlanges Pflügen, wochenlanges Hinter-der- Egge-laufen oder was tagaus tagein den Boden beharken bedeutet. Und so erleben wir hier bei der zionistischen Jugend letzten Endes ähnliche Enttäuschungen wie sie Ahlem mit seinen Jungen erlebte, nur mit dem Unterschied, daß nur wenige den Mut aufbrachten, eine Sache, der sie sich nicht gewachsen fühlten, gleich aufzugeben, sondern lustig ihrem Wandertrieb folgend von einer Stelle zur andern wanderten, in der Meinung, bei der nächsten Stelle bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu finden.; . , . Wenn wir diese Betrachtungen zusammen fassen, ergibt Sich folgendes: Solange die Bewegung der Berufsumschichtung assimilatorische Tendenzen . verfolgte, waren solche Einrichtungen wie in Ahlem letzten Ende9 nur Selbst- HS

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