Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 1-2 (10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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fremder Länder kennen lernen als aus der Dichtung: Homer zeigt uns das östliche Mittelmeer, Shakespeares Macbeth Schottland und Walt Whitmann Amerika- In der Baukunst spielt einmal der durch die Natur des Landes gebildete Volks - Charakter, dann die Pflanzenwelt als Vorbild der Kunst, endlich das Gestein — mag es Sandstein, Granit oder Marmor sein — eine Rolle. Wie aber die innerlichste, tiefste Kunst, die Musik von der Landschaft abhängt, empfinden wir wohl beim Wandern, wo das Lied zur Natur passen muß, ja erst von ihr ausgelöst wird. Nietzsches Lob für Bizet war: „er hätte ein Stück Süden der Musik entdeckt*, und er träumte von einer tieferen, mächtigeren Musik, „welche vor dem Anblick des blauen wollüstigen Meeres und der mittelländischen fiimmelshelle nicht verklingt, vergilbt, verblaßt, die noch vor den braunen Sonnen- Untergänge» der Wüste recht behält und deren Seele mit der Palme verwandt ist" (Der zweite Teil über die Entstehung der Völker folgt.) Berlin Arthur Prinz Das jüdische Lied im Blau-Weiß und das Blau-Weiß-Liederbuch. Ich möchte, ehe ich zum eigentlichen Thema komme, wenige Worte vorausschicken, die unsere allgemeinste Beziehung zu kulturellen Auseinandersetzungen im jüdischen Bereich streifen. Mancher entsinnt sich vielleicht noch, wie auf dem Bundestag in Sachsenheim eine Aussprache über das jüdische Lied, als belanglos im Vergleich zu den drängenden sozialen Weltanschauungsfragen, von einigen abgelehnt wurde, und mir schien damals solche Anschauung symptomatischer Ausdruck einer ganzen Blau-Weiß-Generation zu sein. Ich meine jenen Typus von Menschen, die über ein äußeiliches Ergriffensein, über Augenblicksstimmung und verschwommene Zukunftsbilder nicht hinauskamen, die trotz eines unaufhörlichen Zurschautragens jüdischer Qualitäten doch nie von dem innersten Feuer wahrhaft nationaler Bereitschaft und Hingegebenheit berührt wurden. Denn erst dann wird Sinn und endlose Verpflichtung Zious echt empfunden,'wenn es sich um Sein oder Nichtsein alles Lebens handelt, wenn der Ergriffene sich im Strome zukünftigen Geschehens wahrnimmt und sein Inneres in Beziehung setzt, wenn alles in ihm voll gestaltender Sehnsucht ist, und sich der Geist schöpferisch in die geheimnisvollen Zusammenhänge einsenkt. Nun spürt er sich an großer Wende, beispielloser Zeit der Aenderung; unendliches Fordern ruft zu entscheidendem und ganzem Tun auf, und ob er sich der Wirklichkeit voll hingibt, ob er im Geist die große Summe zieht, immer entspringt sein Wollen unausweichlichem, unbedingtem Müssen. Aus einer großen Sehnsucht nach schon lebendigem, schon bildhaft gestaltetem nationalen Sein leiten sich unsere gesamten Bemühungen um die kulturellen Voraussetzungen und die Ausblicke einer-neuen jüdischen Welt ab, und hier muß die eigentliche Mitte einer in Wahrheit produktiv sich fühlenden und gesteigerten Jugend liegen. Noch ist die Grenze nur triebhaften, unbewußten Hinlebens von ihr viellach nicht.überschritten, der Prozeß der Lösung und Erlösung aus den Fesseln nur 17