Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 1-2 (10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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die rekhabitische Bewegung sind. Außerdem befasse man sich mit Quellenstudium! Dieser Unterricht erfordert vor allem Wissen, ist aber auch sonst ver? hältnismaßig leicht. - / . Die Brücke zur dritten Phase, die ich die geschichtsphilosophische Betrachtung nennen will, muß jeder Schüler allein finden. Dazu ist das künstlerische Erlebnis der Geschichte Voraussetzung. Man lasse aber ia diese Voraussetzung in ihrer ganzen Schwere bestehen. Ein Beispiel: Wenn dem Tolstoi die Geschichte der Napoleonischen Kriege sagte, daß letzten Endes in schwierigen Lagen immer der einzelne Mann die Entscheidung bringt, so folgt aus einer solchen Erkenntnis für alle Zeiten die Ve»pf!ichtung zur Selbstverantwortung für den Einzelnen. Das ist auch der Weg» auf dem die Geschichte in die Zukunft weist, nicht der Weg des Fazitziehens für bestimmte geschichtliche Gruppen. _ Berlin, Frühjahr 1919 V Heinrich Strauß Die Volker und die Natun „Vieles Gewaltige lebt und nichts ist gewaltiger als der Mensch.** Die stolze Botschaft von der Kraft des Menschen, von seiner Herrschaft über Meer und Land war den Griechen neue, erlösende Wahrheit. Da die Natur ihr Leben eng umschlang, war die Gebundenheit den Geistern stets gewärtig; die Freiheit galt es zu ei leben. In gleichem Maße aber, wie ihnen die Erkenntnis der Freiheit not tat, ist es uns geboten, die Gesetzlichkeit zu erfassen. Erst dann zeigt die Geschichte einen Sinn, wenn wir die Menschheit als Teil der Schöpfung sehen; — jenen Sinn, den Goethe in der Natur fand: »Sie hat wenige Triebfedern/aber nie abgenutzte, immer wirksam, immer mannigfaltig. Fürs Bleiben hat sie keinen Begriff und ihren Fluch hat sie ans Stillestehn gehängt Sie ist fest. Ihr Tritt ist gemessen, ihre Ausnahmen selten» ihre Gesetze unwandelbar." Um solchen Sinn in der Geschichte zu entdecken, müssen wir die Erdkunde auf sie anwenden und die Wirkungen der Natur auf die Völker betrachten, zuerst die starken und schnellen, dann die feineren. .7 7 , ./ * ' l Das wirtschaftliche und politische Leben. Auf die Erde ist das Leben des Volkes gegründet, sie bietet ihm Nahrung sie trägt sein Haus. Darum erfaßt uns solches Grauen, wenn die „feste wohl» gegründete Erde" wankt. In Japan, dem bebenreichsten Land der Erde, zählt jedes Jahr weit über 100 Beben: die Arbeit von Geschlechtern vernichtet ein Moment; Deiche, Häuser, Eisenbahnen, alles wird niedergerissen; alle Wirtschaft ist unsicher; das fremde Kapital bleibt dem Lande fern; und während der koreanische Krieg Japan 5000 Tote kostete, erforderte ein Erdbeben deren 27 000. Aber für das Schicksal aller Völker hat der geologische Aufbau entscheidendes Gewicht gewonnen durch das Aufkommen der Groß» dustrie. Nicht nur Gold und Silber und Kupfer, sondern vor allem Eisen und Kohle finden sich 14