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Blau-Weiss-Blätter · 1920-10-01 · 1-2 (10.1920) · p. Seite 11

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
1-2 (10.1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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über Erlebnisse eine große Gefahr: der Junge verliert seine seelische Selbständigkeit. Es ist ihm alles erzählt worden, er kennt sich gei au in den feinsten Differenzierungen der Seele aus, er weiß, wann er ein Erlebnis zu erwarten hat, wo ein solches zu suchen ist — das Ergebnis ist. daß der Junge vor lauter Warten auf den großen Moment den Moment selbst nicht erkennt Der Bundestag macht keinen Eindruck mehr, man weiß alles^ nichts ist unbekannt, der Führer kann keine neuen Dinge mehr sagen. Die Dinge werden fertig aufgetischt, jedes Ringen um sie ist ausgeschlossen ~ der Mensch ist seelisch verbraucht, bevor er zum Erleben gekommen ist Nur ein Zurückgehen auf den Stoff kann all diese Uebel vermeiden. Der Heimabend muß einen ganz objektiv-wissenschaftlichen Anstrich erhalten. Selbst wenn es sich um ganz subjektive, den Jungen allertiefst berührende Dinge handelt, muß der Vortrag äußerlich objektiv bleiben. Denn der Führer muß sich vor einem hüten, die Rückbeziehung des Stoffes zur Seele des Jungen auazusprechen. Er kann dem Jungen das Ding erzählen, das Verhältnis zum Ding " muß sich der Junge selbst erkämpfen. Nur dann wird er es jemals sein eigen nennen können. Der Heimabend muß gewissermaßen unvollendet bleiben und das Ende muß sich der Junge selbst erringen. Mac darf nicht falsch verstehen Ich bin weit davon entfernt, das seelische Moment aus der Erziehung ausschalten zu wollen. Es soll nur aus dem Oberbewußtsein beim „ offiziellen* Zusammensein vieler Jungen im Heimabend entfernt werden, da es hier schädlich wirkt Im übrigen besteht die Fahrt, auf welcher nicht von wissenschaftlichen Dingen geredet wird; das Verhältnis des Führers zum Jungen, ebenso die Stellung des Einzelnen in der Gemeinschaft ist stets seelischer Natur. Letzten Endes kommt es natürlich auf die Seele und nicht auf den Intellekt an. Der Unterschied ist nur, daß man über Dinge des Verstandes reden kann, über Dinge der Seele nicht reden darf, und wenn, dann nur in heiligen Stunden. * München Gottfried Frlnkel Einige Worte über geschichtliches Sehen und Geschichtskurse. Es ist unmöglich, aus der Geschichte ein Fazit zu ziehen. Jeder Versuch in dieser Richtung ist mißglückt. Weder aus der Menschheitsgeschichte noch aus der eines Volkes. So zeigen Herders Ideen mit ihrer optimistischen Auffessung des Aufstieges des Menschengeschlechtes diese Anschauung nicht als ein Ergebnis von Forschungen in kleinen und kleinsten Gebieten, sondern als plötzliches künstlerisches Erlebnis. Aus diesem Grunde sind auch die Versuche fruchtlos, aus der Geschichte eines Volkes ganz genau bestimmte Gesetze und dann etwa noch einen bestimmten Volksgeist herauslesen zu wollen. Ich weiß natürlich auch, daß es gewisse allgemeine Gesetze gibt, die auf den Gang der Geschichte ihren Einfluß üben. Es ist aber unrxöglicb, durch Auf- Neigung von einem oder mehreren dieser Geschichtsgesetze den »Geist* der

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