Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 1-2 (10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2708691-2708699-2708700--128-2708860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
kann, so gebildet sein, daß er dem Jungen zum Lehrer wird. Der einzige Weg, der hier oifen steht, ist, in meist individuellem Gespräch, den Jungen zur Gründlichkeit zu beeinflussen. Der Junge soll vielartige Dinge treiben, er soll sich aber nicht mit ihnen oberflächlich beschäftigen. Vor dem Wissen über die Dinge muß das Wissen der Dinge stehen; zuerst Goethe, dann Gundolf und Simmel, zuerst mühsames Studium der Fragmente der Vorsokratiker, dann erst das Buch darüber — die griechische Philosophiegeschächte, Nietzsche, Rohde usw. Es muß unbedingt vermieden werden, daß unsere Jungen sich mühelos Handbuchwissen aneignen 3n solchen Büchern kommt das Ding er«t in der geistigen Beleuchtung durch einen dritten zum Menschen; es ist unmöglich, die Sache an sich zu betrachten und sich in kritischer Aufnahme eine Anschauung darüber zu bilden, da das Ding bereits kritisiert in den Gesichtskreis tritt: Jede schöpferische Betrachtung ist ausgeschlossen. Die Aufgabe des Führers ist hier schwer und mühsam. Er muß den meist zum Literatentum, d.h. zur Oberflächlichkeit geneigten jüdischen Jungen den Weg zu den Müttern weisen, muß ihm Bücher-geben, die Quellen und nicht Vermittelung darstellen. In der Regel wird es sich hier um Aufbau einer Allgemeinbildung handeln, da der Junge meist dann, wenn er in seiner Berufswahl bereits eine feste Richtung hat, dem Einfluß des Führers entwachsen ist. All dies kann nur in ganz individueller Weise, im Gespräch vom Führer zum Wanderer geschehen. « Es gibt jedoch auch Dinge, die jeder in unserer Bewegung wissen muß, dazu gehört vor allem das Wissen um die Wurzeln des Volkes. Hier muß etwas eintreten, was bei Aufbau der Allgemeinbildung überflüssig ist. Die Dinge müssen dem Jungen überhaupt eist zugänglich gemacht werdet. Ein Prophetenkapitel muß eben anders betrachtet werden als ein Gedicht von Goethe. Es sind ganz andere Voraussetzungen notwendig als dort. Ohne ein Wissen um die historischen und kulturellen, auch um die stilistisches Bedingungen ist eben ein volles * Verstehen ausgeschlossen. Hier muß der Führer zeigen, wie diese Dinge anzusehen sind und wie sie betrachtet werden müssen. Zeit und Ort ist der'Heim- . abend. - Bisher ward nur von Dingen gesprochen, die zur politischen Erziehung notwendig srnd. Die politische Erziehung muß ja zu wissenschaftlichen Kenntnissen führen, da wirkliche Volksarbeit nur von wahrhaft gebildeten Persönlichkeiten, die ausgezeichnete Sachkenntnis besitzen, und sich ganz und gar ihrem Volke verschrieben haben, geleistet werden kann. Eine solche Erziehung steht In vollstem Gegensatz zu der meist bisher » gebräuchlicheiKromantiscben Methode, die steh ausschließlich die gefühlsmäßige Betrachtung der Dinge zum Ziel setzt. Es kommt rein auf das Erleben der Dinge an, es genügt, wenn der Junge sein Volk liebt und sich ihm aus solcher Liebe ergibt Man spricht im Heimabend von Erlebnissen, über sozialistische. Gefühle, vom Recht des Tötens, vom Pathos des Propheten, redet sich in eine große Stimmung hinein. Die Jungen sind zwar hingerissen und begeistert, doch wenn sie in eine nüchterne Stimmung kommen, wird der ganze Zauber für sie bedeutungslos. Solche romantische Erziehung ist nicht nur schlecht, sie ist richtig falsch. Es gibt einmal seelische Dinge, die zwischen zwei und drei Menschen mit Recht zur Sprache kommen, die aber banal erscheinen, wenn sie in Gemeinschalt gekaut werden. (Eine Ausnahme bildet die große Fahrt). Ferner birgt das Reden i&