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Blau-Weiss-Blätter · 1920-10-01 · 1-2 (10.1920) · p. Seite 5

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
1-2 (10.1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Musset im Naturbetrachien Immer eins/iue alles achten; Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: Denn was innen, das Ist außen. So ergreifet ohne Säumnis Heilig öffentlich Geheimnis. (Gott u. Welt: Epirrhema.) Damit ist aber auch die rechte Einstellung fallen technischen und handwerklichen Momenten des Kunstwerks gewonnen, die man fälschlich immer die „äußeren* nennt. So wenig Kunstfertigkeit mit Kunst zn verwechseln, so wenig allein aus Technik und Handwerk das Kunstwerk zu erklären und zu verstehen ist, so wenig sind sie für sein Verständnis unwesentlich In der Beziehung zum Ganzen lebt die anscheinend gleichgiltige Frage nach Zweck, Material. Herstellung und Konstruktion, nach biographischen und geschichtlichen Einzelheiten auf als neue Seite des unendlichen Reichtums.. . iv. ■ ■ Kunsterziehung in ihrer Grundabsicht, gegenständlich sehen zu lehren/ heißt Weckung vorhandener Kräfte, die nur darauf warten, geweckt zu werden und erfüllt sich in ihrer Einführung zur tätigen Selbstarbeit. Dabei leuchtet es ein, wie sehr bloßes und vers<»eutes Hinweisen auf künstlerische Dinge ebenso wie gemeinsames Erlebnis im Episodenhaften stecken bleibt, wie sehr erst Stetigkeit und Planmäßigkeit der Erziehung die frei ergreifende Stellung zum Kunstwerke ermöglichen. Wie von selbst gliedert sich Kunsterziehung in eine Kette keineswegs schematisch, sondern aus der inneren Anlage heraus sich hintereinander fordernder Aufgaben, die weniger dem Stoff nach als im Ziel und der ^rt unterschieden sind. Das Gewinnen eines ersten aktiven Verhältnisses zum Kunstwerk bestimmt 'die Erziehung, andere Momente in den Mittelpunkt zu stellen als das Eindringen in tiefere Provinzen auf höherer Stufe des Sehens. Nach gewisser Zeit auf das gleiche Werk, nur mit anderen Fragen zurückzukommen lind immer neue Seiten des Werkes aufzudecken, wird gerade die Kunst der Kunsterziehung bedeuten. Daß daneben auch eine Differenzierung der Kunstgattungen {Malerei, Dichtung, Plastik, Architektur, Musik, Tanz) pädagogisch ftattbat, wird sich bei einfacher Ueberlegung wie praktischer Erfahrung sogleich herausstellen. Wichtiger aber ist das Pesthalten an der einzig gültigen Methode, die jede einzelne erzieherische Handlung bedingt und sie alle im Sinn und zum Zweck einer planmäßigen Kunsterziehung verbindet, die Augen der Jungen nämlich und damit ihren erkennenden Geist und ihre Seele zu öffnen und zu schulen. Die Gefahr, sich von einer bestimmten Richtung und Theorie Bierden zu lassen und durch Reflektieren wie begriffliches Klugreden die anfchauenden Kräfte zu ersticken, droht nirgendwo so sehr als hier. Jüngere, besser: Ungeübte, werden vor bildenden Kunstwerken, an die hauptsächlich, aber nicht ausschließlich gedacht wird, vom Dargestellten frat mehr ergriffen werden als von der Darstellung, mehr vom Was der Er« gablung als vom Wie der Formung, und in der Tat wird die Erziehung am ftofflicben meist anzugreifen haben und sich an Zeichnungen, malerischen und. plastischen Werken zuerst entfalten. Wenn in keinem Augenblick von der 5

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