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Blau-Weiss-Blätter · 1919-01-01 · 6 (1.1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
6 (1.1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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hz Mischen Lebens den Teil heraus, Der ote ^o^uilllliy üülll LllUUl *U 'zBz$i$tn Wirklichkeit am besten vertrug, nämlich ein ziemlich blutarmes Gebilde Ermifcht aus religiösen Vorstellungen und einigen Kulturformen des Ghettos, denen NLN dann in Anlehnung an das wesenverschkedene Christentum Europas den völlig snzutreffenden Damen Religion oder gar Konfession gab und proklamierte dieses Gebilde dann als das Judentum. Warum hat man denn nicht andere Kulturgüter Lerubergerettet, Rechts Sprache/ Zusammenleben, auch Tracht und vieles andere? §srum diese Verwässerung des gewaltigen Komplexes Judentum, den man mit ' kt® Wort religiös der christlichen Analogie wegen sehr schlecht charakterisiert mtb ja dessen Religiosität, um dieses leider nicht vermeidbare Wort zu gebrauchen, das Krchtsleben genau so wesentlich gehört wie etwa die Wohltätigkeit? Wieso diese Herausdestillierung einzelner moralischer und philosophischer Vorstellungen aus dem Helamckomplex des großen Judentums, dem in seiner eigentümli^en nationalen Struktur im Gegensatz zu der ihrem Wesen nach internationalen Kirche solche Heraus- -emlliemngen stracks zuwiderlaufen?. Warum? Weil.fast das ganze andere Judentm außer den paar moralischen und philosophischen Vorstellungen und den paar Dutzend damit zusammenhängenden Gesetzen und Formalien dem Alltag angedörten, der aufhörte jüdisch zu.sein. ' ' f Es ist aber weit schwieriger, wenn nicht unmöglich, einen jüdischen Wag mmitten einer fremden Kultur zu leben als eine jüdische Religion zu haben wie es ' vergle i ch s weise einem Asfimilanten weit schwer fällt mit einem Ssiddur über die Straße zu gehen als am Jomkippur zu fasten, oder in d jüdische Zeitung zu lesen als das Speiseritual aufs peinlichste diesem Vergleich will ich nur auf die Tendenz Hinweisen, die zu einer Verflüchtigt'^ des ZMschen ins rein geistige führt. Wir baden also folgendes Bild: Während der Jude des Ghetto, und der heutige Ostjude noch eine einigermaßen einheitlich-jüdische Kultur besitzen, ist für uns Westjuden diese Einheit zwischen Alltag und Sabbath zerfallen. Die westliche Onbodoxie hat z. T. noch etwas von dieser Einheit, da sie mehr oder minder iu konzentrischen Kreisen lebt, im Wesentlichen ist sie aber stände, die auf anderen Grundlageu, auf anderen Lebens/' waren. Bei der Langsamkeit geschichtlicher Prozesse kann sogar da noch ein gewisse^ Leben und Blüten sein, wo die natürliche Ernährung aufgehört hat, aber keine Romantik, kein bewußter Wille kann auf die Dauer Zustände aufrechterhalten, für . welche die natürlichen Lebensbedingungen nicht mehr vorhanden sind. Soviel zu der Behauptung von dem positiven Wert dieses Erziehungsstoffes. Nun noch einiges über den negativen Wert. Auch von vielen, die diesen Formen keinen volkserzieherischen Wert beimeffen wird gesagt: Man könne sie doch wenigstens aus Rücksicht auf andere beobachten, wie man ja viele Dinge tue, denen man auch keinen Wert Leimesse, die man sogar firr falsch halte — manche Sitte, Mode, Redensart — und die man doch aus Gewohnheit, Bequemlichkeit, und vor Lllern aus Rücksicht auf andere tue, die man sonst vor den Kopf stoßen würde, währeud es einem selbst nichts ausmache) so oder so zu handeln. Hierzu sei gleich gesagt, daß solche Mcksicht Lm Emzelfalle von Mensch zu Mensch eine Selbstverständlichkeit ist. Es ist aber ein Unterschied, ob man im Einzelfalle aus Rücksicht auf das Empfinden anderer Menschen, einmal gegen seine Ueberzeugung handelt oder ob man sich in brennenden Lebensfragen von Rücksichten leiten läßt. Es gibt Dinge von verschiedenem Gewicht und darunter solches bei denen wir auf die nebsten Mäuschen

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