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Blau-Weiss-Blätter · 1919-01-01 · 6 (1.1919) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
6 (1.1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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, Ul. Aei der Verwertung des jüdischen Stoffes macht unsere bisherige Erziehung Ostens den Fehler der Wertverschiebung vom Substantiellen auf das Funktionelle innerhalb des Stoffes selbst und zweitens den des andauernden Mchtbeachtens der großen Galuthgrmldtatsache, daß unser Werktag nichtjüdisch ist, daß unser Alltagsleben sich in einer nicht von unseren Säften gespeisten Kultur abspielt, während avr unser Sabbath jüdisch, d. h. jüdisch-substantiell ist. Das Nächstliegende in der Verwertung des jüdischen Erziehungsstoffes scheint Ln der religiösen Fonnenwelt gegeben zu sein — und tatsächlich spricht man davon auch außerhalb der gesetzestreuen Kreise mit einer Selbstverständlichkeit^ dr^. von jeder Wischen Erziehung in unserem Sinne eine möglichst weitgehende Aneignung dieser Dinge verlangt oder zumindest als wünschenswert erachtet. Die Rückkehr zu bet überlieferten Formenwelt wird als erster, fast selbstverständlicher Schritt be- «achtet, über dessen Richtigkeit gar kein Zweifel mehr herrschen kann. Man spricht von positiv - Wischen Werten, die man in diesen Formen hätte und daß gerade nufere nationale Jugend ein besonderes dringendes Interesse an ihrer Erhaltung haben müsse. Versuchen wir doch einmal sans pkrass an diese Dinge näher heranzukouunen, prüfen wir sie klar und nüchtern auf ihren angeblichen positiven Gehalt für unsere Erziehung. Hier muß betont werden, daß es sich im Rahmen dieser Auseinandcrsetzrmg nur um den erzieherischen Gehalt der religiösen Formen für eine Erziehung zum Judentum handeln kann. Diese Frage ist schcrxf zu trennen von der Frage nach dem persönlichen Wert, den diese Formen für den in der Tra- Lition ausgewachsenen religiösen Juden haben können. Ich muß mir versagen, auf diese Frage näher einzugehen; also auf die eigentlich religiöse Frage: inwieweit heute religiöses Leber: rat engeren Sinne vorhanden ist, möglich ist und inwieweit die überlieferten Formen und Gesetze Ausdruck dieses religiösen Lebens sind. Diese Frage ist höchstpersönlicher Natur, und man kann nicht versuchen, Richtlinien für idre Beantwortung aufzustelleu. Denn so wenig es einen Sinn hat für religiöse lleberzeugungen Richtlinien aufzustellen, so wenig Sinn hat es, in diesem Zn^ sammenhang von der Richtigkeit religiöser Gesetze und Formen zu-sprechen." Unsere Aufgabe karm hier nur sein zu untersuchen, welchem Stoff und welcher Methode soviel Allgemeingültigkeit beizumeffen ist, daß man sie zur Grundlage einer lkziehung nehmen kann, der^n Ziel die Verwurzelung des einzelnen im jüdischen Volke ist. Diejenigen, die der überlieferten Formenwelt diese votkserzieherische Bedeutung schlechthin zusprechen, gehen dabei von der Behauptung aus, diese Formelt hätten in der Vergangenheit einen konservierenden Wert gehabt und könnten ihit deshalb auch heute haben. Die Erkenntnis von der Wertverschtebung läßt uns diese Dinge jedocy wesentlich anders sehen. Es ist zwar sehr menschlich, und natürlich, daß ein von einem starken Lebenswillen beseeltes Volk, das sich außerdem seiner Umgebung überlegen fühlt, seine Lebensformen so ausgestalter, daß diese sich gleichermaßen seinem Alltag anpaffen wie sie sich von diesem abgrenzen als daß man sich Formen geschaffen hätte als Mittel der Erhaltung, so wie man diese Formen heute vielfach gern erhalten wissen möchte. Es ist doch durchaus wahrscheinlicher, daß der Selbsterhaltungsmille, sagen wir richtiger und unmißverständlicher, daß das gelebte Leben der Schöpfer und Träger ber Formen ist als daß diese die Träger des Selbsterhaltungswillcns,. des Lebens m

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