Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 6 (1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2708691-2708692-2708698--106-2708838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
einem besonders reinen Ausdruck gelangt, wird sühergreifeud aus das Funktionen j dieses für das Judentum allein oder wenigstens als ihm besonders wesenhast re% ] miert.— Inwieweit führt nun diese Stoffbehandlung, diese Wertverschrebnng! dle Irre 2 Indem sie nämlich das Funktionelle, also das, was an der Erscheinung nr'ch t sub stantiel l ist als d as Judentum verkündet — und damit indirekt eurer Loslosung von der Silbstanz das Wort redet, das heißt aber gleichzeitig die Wendigkeit der Wirkung auf die Substanz, der B e Wirkung der Substanz, in der Konsequenz zum mindesten firr überflüssig erklärt. Das ist die Kehrseite der Lebe; vnn der Unbedingtheit. Losgelöst von den Bedingungen, die das Substantielle der: Funktionellen stellt, soll dieses'sich entscheiden; so verfluchtet sich' das Substantielle, es bleibt nichts übrig als das reine unvermischte Funktionelle. Was ist das aber anderes als . eine Loslösung der treibenden Kräfte von dem zu Treibenden, der Erlegung von dem, was bewegt werden soll. Das führt dazu zn versuchen, unmittelhar des Funktionellen teilhaftig zu werden, und schließlich nur dieses und nicht des Substantielle zu suchen, rein der Funktion zn leben, unbekümmert nm ihre Realifiermtgs- .Möglichkeit innerhalb des Substantiellen. Hiev haben wir den Urquell, aus dem all^Mystik fließt, die letzten Endes aus der Welt herausführt zu tinm Reiche, das nicht von dieser Welt ist, dem Reiche der reinen Funktion^ dem Reiche . Jesu Christi. / ' .' ' Geint Erziehung^ die unter dieser Einstellung zum Stoff ihre Änfgabe versteht, wird' immer mehr das Substantielle beiseite zu lassen neigen. Sie vergißt daß zwar nicht die Substanz, aber auch nickt das Funknonelle das Wesen einer Erscheinung ausmacht, sondern lediglich ihre Wechselwirkung, ihre Spannring. Tie große und erhabene Lehre von der Unbedingtheit ist bei Teilen unserer Jugend nicht so aufgefaßt worden, daß es ein Lösen von freit selbstgeschaffenen Bedingungen gilt sowie es der Grundgedanke des Kolnidre ist, sondern als Slchfreimacken von den Bedingungen, die das Substantielle dem Funktionellen stellt. Und hier lieg: eine große Gefahr, nicht nur für unsere Jugendbewegung. Für diese aber ganz besonders. Denn es ist heute beinahe soweit gekommen, daß man sich in der Kreisen unserer Jugend, besonders da gern als „Jugendbewegung", also als etwa4 besonderes innerhalb der großen Zionistischen Bewegung abgrenzt, wo man deshalb, weil man jung ist, für sich das Recht in Anspruch nimmt, „unbedingt" zu sein d.h., so, wie man es auffaßt, die Eigengesetze der Substantiellen zn vernachlässigen und in dem Wahn, Judentum sei Funktion, nur diese zu suchen. _ Wir sehen, auch wir sind dem Galuthschicksal, dem Aufgeteittsein zwischen zwei. Erztehungsstoffe nicht entgangen, cutch wir sind der Verstrickung erlegen. Wir find den Versuchungen, die in dem Rebeireinander beider Kultrtren liegt, auch erlegen. Wir gingen aus vom Substantiellen der eigenen Kultur, fanden ihr Funktioneller heraus, reklamierten, dieses, das allmenschlich ist für uns allein, gaben ihm substantiellen Charakter und kamen so zu einer Richtbeachtimg des wirklich Substantiellen, flüchteten uns in das Reich der Unbedingtheit, der reinen Funktion und kommen so immer mehr dazu, den Boden unter den Füßen zu verlieren, und das hat fick -ach ' immer gerächt. 108