Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 6 (1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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är ganzes Streben Larauf^richten, die Kluft zwischen unserem Alltag und unserem^ ZLvöarh zu überwinden. Und so selbstverständlich uns heute diese Forderung er- Minen mag, so notwendig ist es, sie allen anderen Forderungen gegenüber immer Nieder;u betonen. Denn alles andere: Wiederbelebung religiöser otzer'anderer LLn'onaler Formen, Heüräischlernen, Literatur- und Geschichtskermtnis wäre im Grunde Kommen zwecklos, wen» es nicht dahin kommt, wieder jene Einheit von Werktag Sabbach. zu schaffen, die wir fiir die notwendige Voraussetzung fruchtbarer Erziehungsarbeit halten, die bei den anderen Völkern besteht und die uns abgeht, h. die Verwirklichung unsrer zionistischen Forderung. Die praktische Voraussetzung rurtlich befriedigender Wischer ErziehrmgsarbeiL ist also eine politische, mit dieser ^chrernen Betrachtung steigen wir. von dem hohen Piedestal, von dem aus mau Mfach diese Fragen behandelt, herab auf den harten Boden der Wirklichkeit. Uber es erscheint uns gegenüber manchen Erscheinungen, wie sie besonders in letzter Zerr immer häufiger werden — ich denke hier speziell an so manches im Jernbbaal , Osrwendig. wieder einmal an hie Grundlagen zu erinnern, auf der alle zionistische' Urtzeü aufbauen muß,, deren Nichtbeachtung sich bitter rächt. Die Erkenntnis, daß erst die Erfüllung der politischen. Forderung des Z;sn:>mus de» Boden fiir eine vollkommene jüdische Erziehungsarbeit schaffen kann, sird uns vor manchen Enttäuschungen bewahren. - Wir können und werden an unsere Erziehungsarbeit Air keinen übergroßen Erwartungen Herangehen, wir wissen, das sie hier nur Stückwerk sein kann. Wir wissen dann aber auch, wohin wir zu ^rnrrn haben. -Denn unsere Arbeit muß dann notwendigerweise darauf gerichtet sein, im Geiste und Lu der Wirklichkeit schon hier im Galnth ein Stückchen vor: jener noüvendigen Einheit zwischen unserem sozialen bürgerlichen. Alltagsleben und snserem geistigen Streben zu schaffen, fiir unsere jüdische Erziehungsarbeit schon hier möglichst ein Milieu jüdischen Werktags zu schaffen. Wir müssen Kreise bilden, dir einen jüdischen Alltag haben. Es kann sich da freilich immer mir,um Bruchfnlife handeln, aber das wenige, was wir schaffen können, müssen wir tun. .Darin rüg; wohl die Hauptbedeutung des Blauweiß, daß er gerade durch den Charakter der Wandergememschast einen Keim von jüdischem Alltag in sich .trägt, aber wir d»ncn hierbei nicht stehen bleiben. Wir brauchen die jüdische Schule, die jüdische Lchulgemeinde, wir brauchen Siedelungen in der Art des Volksheims, unsere Studenten müßten eine gemeinsame Wohnstätte haben. Sie führen einen gemeinsamen Hausbalr. arbeiten soweit angängig gemeinsam usw. Das Gartenstadtprojekt taucht hier auf. ist aber wenigstens in der bisher propagierten Art abzulehueu, denn hier bandelt es sich ja mehr um eine Villenkolonie von Juden als um eine jüdische Siedelung. \ : / Das ist der eine Weg, der sich aus der Erkenntnis der Galuthgrundtatsache Kr die Vereinheitlichung des Erziehungsstoffes ergibt. — Der andere ist die Kön- Zentrienmg des Denkens und Wollens auf dem Aufbau Zions. Palästina immer m den Mittelpunkt der Gedankenwelt unserer jüdischen Jugend rücken. Nicht, so. sie Palästina wollen, um die oder jene Idee dort zu verwirklichen, daß sie dor^ öü§ oder jenes Ideal auslebcn wolleN?,-sondern unsere Jugend muß sich dort ge- . Übermaßen zuhause fi'chlen. Wie LMGedanken eines Reisenden immer wieder nach j -Lust schweifen und er alles, was er sieht und Hört, mehr oder minder bewußt! mmer wieder an den Verhältnissen der Heimat mißt,. wie diese ihm mehr, als er - ' ielöst weiß, der Maßstab ist, den er an die fremden Dinge anlegt, so muß