Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Haolam omed al awodahö uwchen, achaj, al tonumu, laawodatchem ana kumu! Ihr Führer aber, an Euch ist es, dem Blau-Weiß die neue Richtung zu geben. Arbeitet selbst, damit Eure Wanderer arbeiten! Oder wallt Ihr von diesen überholt werden? Ein Wanderer fragt Euch Führer, ob Ihr wollt, daß die Wanderer allein etwas tun, um den Zuständen im Blau - Weiß entgegenzuarbeiten^ da Ihr untätig zuseht. vru. achim, al tarumui! Breslau Martin Plessner Leo N. Tolstoj: „Was sollen wir denn tun?" Uebersetzt vou^ Raphael Loewenfetd. Eugea Diederichs. Leipzig 1902. Es gibt kaum einen Menschen, der uns soviel geben kann wie Tolstoj. Wir müssen seiner Lehre die größte Aufmerksamkeit widmen. Er lehrt nämlich Judentum. Seine ganze Weltanschauung, die Gerechtigkeit und Liebe zum Ideal hat, ist die urchristliche, also die jüdische. Er ist es, der uns den Weg weist, auf dem wir aus der heutigen Verderbnis zu diesem Ideal kommen. Dieser Weg ist nämlich die Arbeit jedes einzelnen Menschen. Jeder Mensch muß selbst für seine Bedürfnisse sorgen oder wenigstens soviel wie möglich selbst tun und die Arbeit anderer möglichst wenig in Anspruch nehmen. Den Grundfehler der heutigen Gesellschaft bildet seiner Meinung nach die Tatsache, daß der größere Teil der Menschen arbeitet, während der kleinere nichts tut und die Arbeit der anderen ausbeutet. Er führt im einzelnen die Bedingungen dieses Zustandes und den von ihm wegführenden Weg so klar vor unsere Augen und erklärt uns die sittliche Verpflichtung, biefcit Weg zu beschreiten, so zwingend, daß jeder unter uns einsehen muß, er müsse sein Leben auf eine andere Grundlage stellen, nämlich die der eigenen Arbeit und der aus dieser resultierenden Lebensanschauung. * * v . _ Für uns speziell ist Tolstoj von größter Bedeutung. Wir, die wir im Begriffe sind, eine neue Gemeinschaft ins Leben zu rufen, die. wir den Bau eines VolMlebens von unten auf beginnen wollen, finden hier das Bild, das ein solches Volksleben haben muß, wenn es gerecht sein soll. Eine solche Gemeinschaft in Erez- Israel, die Verwirklichung der höchsten jüdischen Gedanken, würde der beste Vorkämpfer zur Ueberwindung der heutigen Zustände sein. - Was Tolstojs Lehre für den Blau-Weiß bedeutet, habe ich bereits an anderer Stelle ausgeführt. Sie würde uns erstens eine vernünftige Auffassung vom Leben vermitteln und zweitens unsere Jugend geeigneter zu Arbeit jeder Art machen. Ich bitte alle dringend, das Buch zu lesen und ihre Meinungen dazu zu sagen; es handelt sich darum, ob der Blau-Weiß seiner heutigen Struktur nach sittlich haltbar ist, ' b. h., ob er seine Jugend zu einer sittlichen Gemeinschaft von gleichgestellten Arbeitem auf allen Gebieten, oder zu einer Gemeinschaft mit Kastengeist und Klaffeneinteilrmg, mit Arbeitern und Faulenzern erziehen wird. Unsere Proklamierung der Landwirtschaft erhält durch Tolstojs Lehre einen ganz neuen Sinn. Wir dürfen nämlich nicht nur um der Kolonisation Palästinas willen für sie eintreteu, sondern auch m großem Maße um der Arbeit selbst willen. Das soll uns Tolstoj lehren. Breslau Martin Plessner 92