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Blau-Weiss-Blätter · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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fcttjtbeii teilen! Die von Scholem ansgesyrochene Wahrheit: „Alles nicht Erarbeitete ist Fli tter" ist leider noch allzuwenig in unseren Geist eingedrungen. Wenn wir aber die Jugend zu ernster geistiger Arbeit erziehen wollen, so muffen wir Lei der körperlichen artfangen. Und hier liegt: ein ganz neues Feld der Betätigung für den Blau-Weiß. Kir solllen den Jungen am Körperlichen zeigen, was wirkliche Arbeit heißt. Dann Verden wir auch auf geistigem Gebiete mehr Erfolge haben. Ich denke mir also, tzaß der Blau-Weiß nicht jeden Sonntag dem Wandern widmet, sondenr im Land- Leim Aröeitssonntage einrichtet. Wer Lust hat, soll das Feld bebauen, wer Lust hat, ein Handwerk betreiben oder Handarbeiten machen, kurzum, wir sollen arbeiten lernen, was wir alle nicht können, mit AuMatzme derjenigen, die Landwirtschaft gelernt haben. Abgesehen dom Werre des Arbeitens erreichen wir dadurch, daß mrsere Wanderer wahrhaft sozial denken lernen werden, wenn sie wissen, was Arbeiten heißt. Vor allen Dingen ist diese Betätigung fiir Palästina von allergrößter Wichtigkeit. Denn wenn wir. wirklich eine neuartige Gemeinschaft schaffen wollen, eine Gemeinschaft wie etwa die, deren Geist Martin Bub er auf dem österreichischen Zugendtage gezeichnet hat, eine Gemeinschaft, in der nicht, wie sonst überall, einige reiche Faullenzer sitzen, die das Volk fiir sich arbeiten lassen, müssen gerade wir, die Beffersitnirten, arbeiten lernen. Wie ich mir alles im Einzelnen denke, habe ich an anderer Stelle dieses Heftes in meiner Besprechung des Buches „Was sollen wir denn tun?" von Tolstoj, dessen Lektüre ich allen dringend empfehle, ausgesührt. Das Wandern hat uns auch nickt Verachtung der heutigen Gesellschafts-- sorN und des Luxus derart einflößrur llüluen, daß wir in unserem eigenen Leben Hamit Ernst gemacht haben. Karl Hilv hat vollständig Recht, wenn er sagt, daß das Wandern aus uns eine Gemeinschaft gemacht hat,, „eine organische Verbindung von Menschen durch ein gemeinsames Prinzip". Diese Gemeinschaft hat uns aber derartige Selbstsicherheit verliehen, daß wir. uns dem. Großstadtleben wieder bewußt überlassen w.der Meinung, daß es uns sittlich nicht schädige und dabei den großen Fehler begehen, zn glauben, das Unsittliche der Großstadt bestehe im Gesellschaftsformalismus, im Tanzboden und. Bordcllwesen. Das wahrhaft Unsittliche an der Großstadt ist ihr Kastengeist, der es als Lottgegeben ansteht, daß ein Teil der Bevölkerung arbeitet, während der andere genießt. Um diesem zu entfliehen gibt es nur ein Mittel, nämlich körperliche schwere Arbeit. Ein Grund mehr, in Palästina nach Möglichkeit nichts anderes als Landwirt, nicht Gutsbesitzer etwa, sondern Bauer zu werden. Dann werden wir d?n Geist der Großstadt in Wahrheit überwunden haben, wenn wir durch Arbeit mit der Natur untrennbar verwachsen, nicht «ur durch Genuß. Dann werden wir die eigenartige Struktur des alten jüdischen Volles verstehen, dann werden Sabbatrj und Feste neue, ungeahnte Bedeutung für uns gewinnen.' Ich kann deshalb allen Bünden nur raten, einen Teil der großen Fahrt aufzugeben und lieber im Landheim einige Arbeitswochen einzurichten. Auch unsere Gemeinschaft wird dadurch eine wesentliche Stärkung erhallen. Daun werden wir Arbeiter auf jedem Gebiete sein, .ruck nicht zum wenigsten werden wir in den Augen der Außenstehenden und der Ellern, ^ie in uns immer noch einen besseren Vergnügungsverein sehen, an Achttmg gewinnert. Um Zions willen ntnffeu wir £ ft eite n, körperlich und geistig. Ov wir uns zu Scholem bekennen oder nicht, wir müssen diese Ganzheit wollen. Seien wir eingedenk der Worte unseres herrlichen Liedes- 91

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