Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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fiibei jüdische Tradition. Ich weiß auch, daß. die mich nicht verstehen werden, die an eine religionslose Traditionslosigkeit oder aber Lraditionslose Religiosität gimlben: und doch haben nur die, die die innerliche Bejahung des jüdisch-religiösen Geisteslebens begriffen, des Nationalismus einzige Berechtigung erkannt. Es muß a!so dabei bleiben: wir, die instinktlosen Galnthmenschen sollten über.die 2000-jährigen Traditionen unsres Volkes entscheiden? Es faiut sich für uns, wie Reinhold Cobn neulich schrieb, nur darum handeln, die Tradition sinnvoll zu bewahren, nicht mehr, wie im Anfang des „Blau-Weiß", sie sinnvoll zu brechen. Als unbedingte Notwendigkeit ist diese Bewahrung von allen offiziellen Handlungen des .Blau-Weiß", zu fordern (Nicht-Wanderu am Schabbes, Einhaltung aller religiösen Feste nsw.), aber.ich muß auch dabei bleiben, daß jeder, daß jeder,'der wie bisher die Meisten von uns, einen. Nationalismus ohne Form (Tradition!), meist auch ohne. Kenntnis der Vergangenheit lebt, nicht aus der Assimilation heraus ist. Ueberall (jede Nummer des „Inden" und der ganzen nationalen Presse zeugt davon)' beginnt die Rückkehr der deutschen, nationalen Judenheit zu den Quellen und Traditionen des jüdischen Geisteslebens und damit eine Bejahung der Tradition, aus der allein sich vielleicht im Zusammenhang mit der Entwicklung Erez Israels Neues gestalten kann. Im „Blau-Weiß" steckt der zukunftsreichste der deutschjüdischen Jugend;. Ln ihm mehr als irgendwo muß auch der geistige Gehalt und die eigentliche religiöse Aufgabe unsres Volkes endlich begriffen werden. Das wird aber nur auf dem Wege einmal einer immer tieferen Beherrschung des Hebräischen und des Schrifttums, dann vor allem aber auch in einer viel größeren Treue und Achtung vor der Tradition als historischem Ausdruck des geistig-religiösen Volkscharakters, den wir am wenigsten zu ändern berufen sind. Ich grüße Dich lieber Walter Moses herzlich st und wünschte, daß die praktische Arbeit, die allein den Wahrheitsgehalt aller Theorie, beweist, die Gegensätze überwinden hilft. Schalom Euch allen Euer Walter Preuß . Arbeit Die Diskussion Hans Oppenheim—Gerhard Scholem—Karl Glaser scheint mir die behandelte Streitfrage nicht gelöst zu haben. Ich hatte nämlich das Gefühl, daß von beiden Führern das, was sie eigentlich von Scholem trennt, nicht genügend herausgehoben wurde. Sie kamen zwar beide zu einer Gegnerschaft Scholems aber aus den entgegengesetzten Gründen. Während Hans Oppenheim mimlid) Scho ln^ «n Prinzip Recht gibt, ihm aber Kenntnis der Verhältnisse, die ein absolutes Maxi^ malprogrämm undenkbar machen, abspricht, lehnt Karl Glaser ihn grundsätzlich ab, weil nach seinerAnsichtGHWer in Scholems Sinne „Soldaten oder Mönche" sein müßten. Der tatsLMM Unterschied zwischen der Jnng-Juda, als deren Vertreter Scholen; zu uns'spricht, und dem Blau-Weiß besteht aber darin, daß die Jnng-Juda eine .Arbeitsgemeinschaft ist, der Blau-Weiß aber nicht. Wie man im Blau-Weiß über