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Blau-Weiss-Blätter · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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und die „Politik* ihres Volkes vom Geiste, vom jüdischen (Seifte getragen Ware, kann ich mir nicht denken. Soweit ist all dies immer gefordert worden.. - Nun kommt die große Frage: was ist dieser „jüdische Geists Die Jndenheit aller Iahrhnnderte empfand sich als das „Volk Gottes." Nie erstarb die Idee, daß zu ihr Gott in besonderer Lieber sprach, daß ans ihr je und je in allen Handlungen sein Geist, feere Feiler, seine Größe redete Ein elementarer Begriff für die Bedeutung dieser Heiligung Gottes dnrchbebt die ganze Bibel. Immer wieder auch im spateren Schrifttum (man lese den schönen Aufsaß von Hugo Bergmann im Bar-Kochbabuch „Vom Judentum") wird “ gesagt,, daß, wie jede Handlung dieses Volkes durchdrungen hat von dieser Heiligung (glücklich der von uns, der wie ich dies während des Krieges im Osten hat mit tiefster Ehrfurcht erleben dürfen). Gott selbst dieser Hingabe seines Volkes bedarf, daß die Erlösung des Geistes nur bewirkt durch das bedingungslose Handeln dieses Volkes. Und hier ^nuß gegen Franz Meyer, der irr der letzten Fnhrerzeitnng über das „Primat des Christentums" sprach, gesagt werden, daß gerade in dieser letzten reinen Hingabe des Individuums an das Volk und den Glauben an die Erlösung des Geistes (und in ihm schließlich auch des Einzelnen) in ihm eine Starke und Heiligung des Lebens bewirkt wird, die bis ins Tiefste jüdisch, auf einer ganz andern Basis steht als die des Christentums. Wer diesen wesentlichen Unterschied zwischen einer letzthin sozialen, im Ganzere den Einzelnen erlösenden, und individuellen, im Einzelnen das Ganze erlösenden religiösen Auffassung nicht begreift, wer als Jude hier reicht irestirektiv Stellureg nimmt, muß (ich kenne Franz Meyer kaum) sich von einer innerlichen Asstmiliertheit noch nicht frei gemacht haben, die, und damit komme ich zum Kern meiner Ausführungen, die, im Berliner Blau-Weiß vornehmend wurzelnd, überwunden werden muß. * Deren jener inbrünstige Glaube an die Erlösung Gottes tu seinem Volke weist einen innerlichen Weg, der uns tief auch in die Tradition hineinfnhrt. Glauben wir daran, daß jede Handlung, die, mit ganzer Seele für das geliebte Volk getan, daß jedes Opfer, selbst die schmerzlich fremden dieses Krieges, ttefsten Wert und Sinn habere (woher körerrte sonst auch ein Mensch, ein Zeede, noch Mnt emd Liebe zu einem Leben immer neuer Qualen habend), daß alles Leben auf dem nnhenren Wege der Erlösureg dieses Geistesvolk dargebracht werden meeß, so erhält unser Nattonalbegriff seine absondere, eigentliche Bedeutung. Wir wissen daner, daß wie jeher auch das neue Zion nrer ein Land des Geistes sein käme, Israel ein Volk, das mit heißer Inbrunst reur Recht eend Gerechtigkeit, niemals Politik emd Macht erstreben kann. Wir wissen aber auch, daß jede Handlung dieses Volkes in Ver. gaugevheit und Zukunft nrer von instinktiver Bejahung seieees geistigen Wesens getragen sein kann, daß alle Tradition ein wesentlicher, „geheiligter'-Teil der Seldstbejahung unsres Volkes ist. Und von denen, die diese Erkemetnis noch nicht haberr, vermag ich neir zu sagen, daß sie den freilich schmerzeeesreichen Weg aees der Assimilation noch nicht gegangen sind Ich rede hier nicht zu denen, die von uns selbstverständlich in der Traditiore stehen: ich rede zu den Trüditioeesleeegnern aus Gr. Obisch. Mir selbst ist diese Erkenntnis ja aeech erst in langen Kampfesjahren in Palästina, in den Städten Polens, in Wilna, Minsk aufgegangen. Es steckt noch allzuviel freideutsche Tradition ine „Blau-Weiß", die Wauderanzug eend Schillerkragen noch imener „ästhetisch" schöner ündet als Kaftan und Streimel, die religiösen Ritm etwas das Katholizisinees oder Buddhismees „interessanter" emp- 86 '

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