Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Unterschied zwischen beiden Geschehnissen sehr gering, gleich Null. Von der Erde LvS gesehen ist die ungeheure Sonne nicht größer als der kleine Mond. Und um dieser Letzten, ewigen Gleichheit willen verlangt, beides, Kochtopf und Königreich dieselbe Stärke der Hingabe. Geschähe eines von beiden nichts eine Lucke wäre im großen Weltgeschehen. . Restlose Hingabe an jedes Ding, das ans unserem Wege liegt, jene Liebe znm Kleinsten, zu Pflanze und Tier, zu Volkslied und Spiel, jene Dinglichkeit,' die mchts unbeachtet läßt, was da ist und alles ganz tut was getan werden muß. Du, o große heilige Sachlichkeit, Du bist die Macht, die nns Menschen wahrer und stader macht, die uns erst befähigt am Bau der neuen Gemeinschaft mitzuschaffen. Wenn wir so unser ganzes Leben mit Sachlichkeit durchdringeu, mit dem Bewußtsein an der großen Bedeutung, die schließlich jedem Handgriff innewohnt, um Rucksackpacken angefangen, dann werden wir echte Blau-Weiße. Dann werden wir aus Falschen Wahre, aus Knechten Freie, aus Schwachen Starke. Dann schaffen wir unser Werk. - Glogau Ferdinand Ostertag vr..,.f; Im Felde, den 14. Juni 1918. Lieber Walter Moses! Es drängt mich, zu der Frage Stellung zu nehmen, die Euch in Gr. Obisch bewegt hat, da mir jede praktische Tätigkeit, die freilich von entscheidenderer Wichtigkeit wäre, hier versagt ist. Aber ich habe das Gefühl, in der Frage „Tradition oder religiöser Judividualismus" im „Blau - Weiß" etwas sagen zu können, weil meine Stellungnahme einen typischen Prozeß illustrieren und irgendwie vom Seelischen her zwischen den starren unversöhnlichen Flügeln vermitteln kann. Diese Frage gewinnt gerade im „Blau - Weiß" solche Bedeutung, weil hier die Kämpfe einer ringenden Jugend, die, aus allen Kreisen stammend, unklar, oft halbjüdisch, die Erlösung dunkler oder bewußter erstrebt, sich abspielen. Und wenn auch der scheinbar unversöhnliche Gegensatz nur beweist, wie tief wir (ja, gerade wir jungen Blau-Weißen!) im Galuth stecken, trotz aller freudig zu begrüßenden nationalen Tatkraft, so dürfen wir.wenigstens die Leidenschaft des Kampfes als Zeichen der Erneuerung fühlen. Und diese Mrneuernng will nur, der ich ans denselben Kreisen stamme wie Du, lieber Walter Moses, heute doch etwas anders erscheinen, als Dir. Eine wesentliche Strecke Weges werden wir gemeinsam gehen können. Mit immer deutlicherem Bewußtsein wird es heute schon, noch im Galuth, klar, daß unsre jüdische nationale Erlösung nur Sinn und Wert erhält, wenn sie den Boden bereitet für die geistige Sonderart unsres Volkes. Und diese Sonderart wird, wie «inst in Erez Israel, wie immer im Galuth, ihren Ausdruck nur finden in der innerlichen reinen Weihung jeder Handlung, des Volkes und des Einzelnen. Gerade der Krieg und der Zusammenbruch der europäiscyen Kultur zeigt uns, daß es nie das Ziel der jüdischen Erlösung bilden kann, ein Volk zu werden wie jedes andre. Eine jüdische MHnd, die je etwas andres forderte, als daß ihr Leb.en, das Sein 85