Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 4 (3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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denen der junge Mensch die Pubertät gerade überwunden, in denen er sich MM ersten Male der Umwelt und seiner Stellung als Einzelner in ihr bewußt wird, ist zumeist erfüllt von „Verwirrung von einem ersten wahren Ringen um Erkenntnis." Sollen wir nun in unserer Erziehung im „Blau-Weiß" danach streben, unsere Wanderer zn „jüdischen Menschen" heranznbilden. wenn wir sie in einem. Alter aus unserem unmitelbaren Einfluß verlieren, in dem — kraß ausgedrückt — ihre ^Menschwerdung" erst beginnt? 7 . -r.i : . ' . : ■* Sollen wir sie mit „jüdischen Inhalten" anssüllen, wenn diese erst Wert gewinnen, nachdem sie uns verlassen habend - r - r: Zur Verhütung von Mißverständnissen betone ich, daß ich mich nicht gegen das Treiben oder Lernen von Hebräisch, jüdischer Geschichte oder Literatur wende. Aber auch nur nicht gegen dieses, wodurch allein wohl noch niemand ein „jüdischer Mensch" wird. £ y r*/1— r , . . . Ich kann zum. Beispiel unglailblich viel Geschichte wissen, ohne dadurch dem Judentum eine. Spur näherzukommen. Erst indem ich versuche, aus der Geschichte zu erkennen, in welchem Verhältnis die damaligen. Juden zur Umwelt standen, in welcher Weise, sie aus die äußeren Einflüsse reagierten, indem ich also dadurch eine Erkenntnis der damaligen jiidischen Art und durch Nebeneinanderstellen der. verschiedenen. Geschlchtsperioden des jüdischen Menschen überhaupt gewinne, nähere ich mich dem Judentum. Aber eine solche Geschichtsbetrachtung mit unseren Wanderern zu treiben,, wäre unnütz, ja schädüch. 5 - . Angenommen den unwahrscheinlichen Fall, daß der 20—24 jährige Führer den Stoff beherrscht, ist es kaum möglich, daß 15—16 jährige Menschen dies alles wirklich begreifen können; sie werden höchstens die Ergebnisse gläubig aufnehmen, aber die Wege zu ihnen nicht erkennen. . ... Es gibt eben Werte, deren intellektuelle Erfassung späteren Lebensaltern Vorbehalten bleibt. Und etwas, was Menschen in den Jahren unserer Wanderer stets versagt sein wird, ist die klare Erfassung jeder Erkenntnis, was ihnen andrerseits am besten eignet, ist die Betonung von Gefühlswerten, ist die Erweckung von Begeisterung und Sehnsucht. _ - Das sollen die Ziele unserer Erziehung sein, das können wir auch andrerseits von unseren jungen Führern verlangen. ... : y - - : * - . : Ein Mensch im Anfang der 20 er Jahre ist wohl im Stande in seinen Wanderern Begeisterung für alles Edle, Gute, Reine zu entfachen, sie mit Sehnsucht nach Zion zu erfüllen, in ihnen den Willen ptm nationalen Judentum zn erwecken, aber er, der selbst mit seinem ganzen Sein fit ber Entwickelung steht, der kaum bereits endgiltige Resultate seiner inneren Kampfe aufznweisen hat. er wird nicht fähig sein, die Probleme des jüdischen Menschen in deutscher Kultur, oder im Bereiche der Menschheitsgeschichte klar zu entwickeln, geschweige denn jüngere Menschen ohne Herrschaft der halboerstandcnen Phrase zu beeinflussen. Rothmanns Heimabende über Gedanken der zweiten und brüten Buöerschen Rede kann ich mir nicht nutzbringend vorstellen. . Daß mir der Vorwurf der „Üngeiüigknt" gemacht werden wird, erwarte ich. Aber sollen wir uns niemals von den Schlacken des Golus reinigen, sollen wir den Typ des Talmudbochers in verälldertcr Form noch einmal auferstehen lassen?! Als ob der Jude nicht früh genug von selbst znm Intellektualismus kommt! Wir haben doch im Blau-Weiß nicht bis zum Ende der Jugend zu erziehen, 76 . '