Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1918-03-01 · 4 (3.1918) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
4 (3.1918)
Date
1918-03-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2708691-2708692-2708696--069-2708799
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- Ein Teil der bereits in Palästina vorhandenen Kolonistenstellen könnte ebenfalls als Lehrstatte benutzt werden. . Bis jetzt war es eine harte Zumutung an den schon an sich knappen Geldbetrag des Kolonisten, neu in Palästina eingewanderte junge Leute als „Arbeiter* zu beschäftigen und sie zu entlohnen, daß ihnen ihr Auskommen gewährleistet war. ES ergaben sich hieraus Unzutraglichkeiten, die zum Teil dazu führten, daß manche Kolonisten — aus rein wirtschaftlichen und wohl auch noch aus anderen Gründen—grundsätzlich keine jüdischen Arbeiter aufnehmen und beschäftigen wollten- oder auch, daß jüdische Arbeiter — gewissermaßen aus nationaler Empörung — manche Kolonisten oder gar ganze Anfiedlungen boykottiert haben. Ganz objektiv betrachtet, liegen hierbei die Verhältnisse so, daß eS dem Kolonisten, der ja zurzeit noch selbst um seine ökonomische Existenz ringen muß, durch die Beschäftigung ungeübter und unerfahrener jüdischer Arbeiter gegen einen für landwirtschaftliche Verhältnisse recht hohen Lohn einfach unmöglich gemacht wird, vorwärts zu kommen, ja auch nur notdürftig M existieren. Dem Kolonisten, wenn auch vom besten Schrot und Korn in nationaler Beziehung, kann unmöglich die Aufgabe und Pflicht der Beschäftigung und ausreichender Entlohnung solcher Arbeiter zugemutet werden. Andererseits ist es, gefühlsmäßig bewettet, dem jüdischen Arbeiter kaum zu verargen, daß er im Kolonisten, der seine Arbeit ablehnt, gewissermaßen einen Verräter an der Volkssache erblickt, einen »Ausbeuter" wittert; denn der jüdische Arbeiter steht ja im Kolonisten den Glücklichen, der „fein" Ideal bereits erreicht hat und ihm selbst dieses zu erlangen quasi unmöglich macht; er kann aus suggeriertem Klaffendogma sich nicht auf die Höbe objektiven sozial-ökonomischen Urteils erheben und steht so dem jüdischen Kolonisten gegenüber mit dem Zorn, ja fast mit dem Haß deS auf die Straße gesetzten Lumpen-Proletariers da. Noch liegt zurzeit keine Veranlassung vor, diesen sozialen Gegenstand sehr Magisch zu nehmen, er kann aber, wenn ihm nicht bald und wirksam entgegengearbeüet wird, zu den unerträglichsten Kalamitäten führen, ja zum Krebsschaden der ganzen Kolonisation werden. Diesem durch nichts begründeten Klassenkampf (denn bis zu einem solchen Stadium ist der soziale Gegensatz zwischen angefiedelten und öfteren" Arbeitern beretts geraten) ist weder durch Argumente noch durch Schlichtungs- und Schiedskommissionen entgegenzutreten; was als Abhilfe für schon in Erscheinung Getretenes, und was als Vorbeugung für die Zukunft dienen kann, ist lediglich die große befreiende zwingende Tat. Der Einwanderer muß entweder vor seiner Auswanderung oder in Palästina erst durch physische Arbeit auf dem Acker seine Muskeln und Knochen stählen und zur Ausdauer geübt machen, muß erst den landwirtschaftlichen Beruf erlernen. Hierfür können oder müssen eigene Mittel oder Mittel der Allgemeinheit, speziell auch Gelder des Jüdischen Nattnalfonds aufgewendet werden; und es find Wege zu wählen, wie ich sie oben in Kürze, angedeutet habe. . Geübte und gelernte Arbeiter werden die Konkurrenz des billigeren aber faulen, unzuverlässigen und indolenten arabischen Arbeiters aufnehmen können, werden befähigt sein, gegen einen höheren, Äs^A^dHWWtzKMMwährtey. Lohn, zum Vorteil jedes Betriebes zu arbeiten; und nach wenrgen^Mhren kann bann aus ihnen ein Menschrrimaterial entstehen, das nach Wahl zur Bauern-Aolomsation wird herangezogen werden können. 70

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.