Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 4 (3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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schmerzloser vorgenommen werden kann, und daß dann irr Palästina die Akklimatisierung der die Landwirtschaft gewohnten Leute weit schneller und besser geschehen wird. Manwird damit rechnen müssen, daß viele ihren, gewählten Beruf wiederaufgeben, aber einige werden in praktischer Arbeit die Schaffensfreudigkeit erneut erwerben, die ein an ein Leben der Arbeit nicht mehr gewohntes Volk in Langer Ghettozeit verloren hat. Unsere Erziehung wird sich hier beweisen müssen, ob für uns alle noch ein Leben im Golus, in den Berufen eures Rechtsanwaltes etc. denkbar ist, oder ob einigen allein das Leben eines produktiven, 'arbeitenden Menschen in unserer Gemeinschaft^ in inniger Verbuchung mit der Natur in unserem Landen daS Ziel ihres Strebens wird. Anm-4. . r Berlin. •/.> - Walter Moses- Zur Kolonifationsfrage In Palästina 1 jAus den Neuen jüdischen Monatsheften mit Genehmigung des Verfassers.) Von S. D yk, Administrator der Kgl. Prenß. Domänenverwaltung. , rr: Das Streben, in geschloffenen völkischen Gemeinwesen die bäuerliche Betriebs?- art zur Grundlage ihrer Agrarverfassung zu machen, ist ein stark, ersehntes Ziel, vieler Sozialpolitiker. Dieser modernen Idee liegt die Erfahrung zugrunde, daß im Bauernbetrieb, dank dem Eigeninteresse fast aller in ihm beschäftigter Personen eine durch wirtschaftlichen Erfolg gekrönte Schaffensfreudigkeit gegeben ist und daß,- volkswirtschaftlich, bewertet, der bäuerlichen Betriebsart der Vorzug gegenüber dem Großgrundbetriebe einzuräumen ist, weil durch sie — von der siedlungsgenoffeuschastlicheu Form abgesehen — die Bodensperre, somit die Abwanderung vom platten Lande und die Auswanderung ans der eigenen Volksgemeinschaft aufznheben, zumindest im starken Grade emzuschränken möglich sei. . Es läßt sich tatsächlich nicht leugnen, daß die Arbeitsfreudigkrrt der in den bäuerlichen. Betrieben beschäftigten Personen durch das Prinzip des Eigennutzes —- den Hebel allen wirtschaftlichen Gedeihens und Erfolges — sehr viel höher ist alsim Großgrundbetriebe,. in dem der landwirtschaftliche Proletarier, lediglich gegen ein bestimmtes Entgelt, ohne Rücksicht auf Erfolg oder Mißerfolg der Wirtschafte arbeitet. Daß, durch das Alleinherrschen oder zumindest Vorherrschen eines Bauernstandes inmitten einer WirLschastsgesellschaft, der sozialen Gerechtigkeit zum Sieger verholfeu werden kann, dürfte ernsthaft kaum bestritten werden können. ' „ Was jedoch als Voraussetzung fite das Gedeihen und die Vermehrung odergar Vorherrschaft bäuerlicher Betriebe Geltung haben mutz, ist das Vorhandensein einer durch, Milieu und Tradition gegebenen berufstätigen Ländlichen Bevölkerung, die im Stande ist, alle im landwirtschaftlichen Betrieb vorkommenden Arbeiten mit Geschick und Sachkenntnis auszuführeu und. die in sich geschlossenen Einzelwirtschaften rationell zu leiten. . , Diese wichtigste Voraussetzung fehlt, auf Grund geschichtlicher Verumständung, den Juden, und darum ist es falsch, gegenwärtig für die jüdische Kolonisation in Palästina in der Hauptsache die kleinbäuerliche Betriebsart zu empfehlen und zu A n m. 4) Ueber die Form des Hinübergehens nach Palästina, und über die Möglichkeit einer gemeinsamen Ansiedlung, für die schon bestimmte Pläne bestehen, will ich im nächsten Führerhest schreiben. Die einzelnen Fragen sind hier noch nicht so hinreichend geklärt, daß ich ausreichende Vorschläge schon heute veröffentlichen, möchte. 68