Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 3 (10.1917)
- Date
- 1917-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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nationaljüdisch empfinden. Diese (in Deutschland) allzueinfache Problemstellung steWe sich vielfach als falsch heraus. Man übersah, daß man (nicht überall) mit der angeborenen oder erzogenen Geistigkeit eines Teils unserer männlichen Jugend zu rechnen hatte, die in jeder jüdischen Gemeinschaft fich entwickeln mußte. So Am ean vielen Stellen zn einem Kampf der älteren Führerschaft, die von dem. alten, Zn deutsch gesehenen Natürlichkeitsideal nicht abgehen wollte^ und einer in der Gemeinschaft geistigen, radikalen und frühreifen Jugend. Diese Entwickelung hat der Krieg mit der Verantwortung, die er den Jüngeren gab, beschleunigt: In anderen Bünden, besonders in kleineren, ging die Entwickelung harmonischer vor sich; man fand hier. Ln jüdischerem Milieu, leichter einen Ausweg. Daraus zog man dort wieder die Folgerrmg, daß man überhaupt nicht auf dem Wege der jüdischen Theorie in der Jugendgemeinschast arbeiten dürfe. Durch die Gemeinschaft an fich entwickelten fich menschliche wie jüdische Eigenschaften und Gesinnungen^ Auf jeden Fall war und ist eine große Unklarheit über die Methode unserer Erziehung vorhanden, besonders auf Heimabenden, was man speziell bei Neugründung' von Bunden merkt, die vergeblich Anhalt an altere suchen. Man ist sich nicht recht klar über Art und Weise der Beeinflussung; es ist an der Zeit, einen Leitfaden für Heimabende mit Quellenangaben zu geben. Das Wesentliche ist ja stets Sache des Führers. Dabei darf keineswegs die durchaus verschiedene Lage der Bünde in der Provinz und in den Großstädten übersehen werden. In den kleineren, religiös-jüdische» Kreisen der Provinz kommt es durchaus mehr auf eine vorsichtige Erziehung zu nationaljüdischem und fteiheitlich-künstlerischem Empfinden an, wahrend firr die Großstadt die Frage des jüdischen Inhaltes, der Gestaltung der Feste «. f. w. sehr wesentlich ist. Es wäre verfehlt, das zu übersehen. Auch andere Fragen erscheinen an verschiedenen Orten irr verschiedener Beleuchtung. Wahrend man am Anfang eigentlich nur das jüdische Wanderproblem an fich sah, wurde im Laufe des Gemeinschaftslebens vieles dadurch komplizierter, daß Fragen austauchten, mit denen auch deutsche Wanderbrüder sich beschäftigen mußten. Es zeigte sich, daß die Folgen unserer Erziehung auf Knaben und Mädchen durchaus verschieden wirkten. Während die Jungens (Schwierigkeiten anderer Art skizzierte ich eben) im allgemeinen ihr Ziel nach wie vor in gesunder Stellungnahme zu allen jüdischen Fragen sahen, zeigte es sich bald, daß firr die Mädchen, zumindest die Erziehungsmethode eine ganz andere sein mußte. Die geistige Einstellung auf das eine Problem unseres jüdischen Volksseins wurde bei den Mädchen durchaus von anderen Tendenzen durchkreuzt: von bier aus wird die so oft übersehene ganz andersartige Stellung des Blau-Weiß gegenüber dem Wandervogel grell beleuchtet.- Es zeigt sich meiner Meinung nach, daß jede Betrachtung dieser Dinge, die zu sehr auf menschliche Fragen eingeht, die Arbeit unseres eigentlichen Zieles trübt und daher verhängnisvoll wirkt. Zunächst war es überall bald selbstverständlich, daß wandertechnisch die Mädchen nicht dasselbe leisten sollten und konnten wie die Jungens. Die Frage des Gemischtwanderns war bei uns nie diskutabel. Andrerseits zeigte es fich bald, daß bei derM:ziehungsarbeit in den Heimabenden bei beiden Geschlechtern auch von dMchaus verschiedenen Grundsätzen ausgegangen werden mußte. Je mehr sich die Ueberzeugung durchrang, daß in der jüdischen Jugendbewegung die Erziehung aus «rn instinktiv selbstverständliches Volksempfinden angelegt sein mußte, desto mehr begriff man, daß auch die Wege hierzu für beide Teile auseinanderführten. GeWem- WWWäMbende find in einem Alter von 9—14 denkbar, wo es allein darauf an- " •. 53