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Blau-Weiss-Blätter · 1917-10-01 · 3 (10.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
3 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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-- Bei einer solchen Stellungnahme wird die Tätigkeit und Einordnung des Führers durchaus fixiert. Sie darf nicht auf einer erzwungenen, durch äußere Umstände bedingten Autorität und Zufälligkeis beruhen, sondern ergibt sich aus der tatsächlichen Ueberlegenbeit seiner Persönlichkeit. Er ist das freiwillig anerkanntes gewählte Oberhaupt des Zuges, den er sofort verliert, wenn ein Besserer an seine Stelle treten kann. Das wird immer dann eintreten, wenn er nicht mehr in der Lage ist. der Bewegung und ihren vorwärtstreibendeu Kräften zn folgen. Der beste Führer bleibt aber innerlich stets „Gleicher unter Gleichen." Und darum find die Beziehungen, die ihn an den Zug knüpfen, nicht die des Gebens allein, sondern stellen sich als eine ständige Wechselwirkung dar. Das spricht sich am deutlichsten im Heimabend ans. Jeder der Teilnehmenden gibt sein Teil dazu. Das Nichtwissen des Führers ist durchaus kein Maßstab für ihn. Die Tiefe des Erlebens, die Phantasie der Ausgestaltung und erst garnicht die Kenntnisse müssen steM bei ihm liegen. Ja, seine Unfehlbarkeit oder etwa der von ihm künstlich hervorgerufene Schein der Unfehlbarkeit sind nur dazu angetan, ihn außerhalb seines Zuglebens zu setzen. Und selbst wenn er sich an manchen Stellen seiner Ueberlegenheit bewußt wird, so macht ihn das natürliche Einstellungsvermögen auf das Niveau der Anderen erst zum wirklichen Führer. Das ist meiner Meinung nach, wenn man' es' schon benennen will, Pädagogik im höchsten Sinne: Die Entwicklung der Anderen immer von Neuem wieder mitzumachen, mit ihnen gemeinsam zur Höhe zu wandern, nicht oben zu stehen und zu kommandieren. ' Wer alsoheute den Versuch machen will, seine Heimabende der Allgemeinheit nutzbar zu machen, der lege in stärkerem Maße, als es geschehen ist, darauf Gewicht, den Verlauf des Abends und nicht sein Thema ausemanderzusetzeru ‘ ~ Berlin-Heidelberg Hans Oppenheim Ucker einige Frage» Mischer" »ad ..menschlicher" §«fammr«hL»sei« KM-Writz ' Das, was uns im Blau-Weiß am meisten fehlte, war die Führerzeitung. Bisher waren wir überall auf ein unsicheres Herumtasten in den wichtigsten Fragen unserer Gemeinschaft angewiesen; viele Kraft, die alles immer wieder von vorne schöpfen mußte, ging-so verloren; viele verschiedene Wege wurden eingeschlagen, wri> ein Teil der sachlichen Differenzen zwischen den verschiedenen Biinden ist sicherlich darauf znrückzumhren. Umso wichtiger erscheint mir nun eine Aussprache Mer große Grundtendenzen des Bl.-W. Wahrend man über das nationaljüdische Erziehungsziel überall einer Meinung ist, bestehen über die Erziehungsmethoden zu diesem Ziel verschiedene Anschauungen. Davon soll beute nur andeutungsweise die Rede seirr. Wesentlicher erscheint mir vorerst noch eine Anssprache über allgemeine menschliche Zusammenhänge, die auch bei uns in Erscheinung getreten find, Mer ihre Stellung zum Zeniralproblem der nationaljudischen Erziehung. Ich meine zuüächst die komplizierte Frage: Wesensgleichheit und Verschiedenheit der Jungens und Mädchen, damit die Frage des Zusamnlenlebens und Wanderns beider Geschlechter. Eine Reihe anderer wichtiger Fragen stcht damit im Zusammenhang. - Bei der Gründung des glaubte man ganz allgemein unsere Aufgabe so charakterisieren zu können: durch das Wandern soll die jüdische Jugend natürlich werden; üus ihrem natürlichen Wesen heraus wird sie dann selbstverständlich 62

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