Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 3 (10.1917)
- Date
- 1917-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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LaudschastsempfindenS, an die Moses Calvary nicht recht glauben will, haben schon Viele, so Bnber und Chamberlain, hingewiesen. Dazu kommt weiter die andersorientierte und vertiestere Art jüdischer Gemeinschaft, dazu kommt die auch im Wandern ihren Ausdruck findende gemeinsame jüdische Lebensauffassung und nicht zuletzt die jüdische Körperlichkeit. Ich weise da auf die Äusft'ihrungen Bernfelds am Anfang seines Aufsatzes im „Juden" I. 3 hm. Eine weitergehende Auseinandersetzung würde mich zu weit von meinem Thema führen. Alle Liese durch die Wanderung geborenen Kräfte und Empfindungen wirken sich nun iu der Woche aus und potenzieren sich durch das ständige Zusammensein. Der Blau-Weiß-Gedanke vertieft sich bei jedem Einzelnen und wird zur Triebkraft seines Lebens. Die nicht dem Blau-Weiß angehörenden Klaflenkameraden werden ihm gleichgiltig, und er geht in dem Verkehr mit seinen Wandergefährten gänzlich auf. Dieser durch die Wanderung gewonnene Zusammenhang gibt dem Heimabende die Grundstimmung: Er soll dem Erleben der Gemeinschaft entspringen. Darum darf der Führer nicht mit einem festen Programm oder womöglich mit einem aus-. gearbeiteten Konzept auf den Heimabend kommen, sondern muß es der individuellen Zusammensetzung und dem Bedürfnis überlassen, den Gesprächsstoff zu finden. Und um das Gesagte noch genauer zu illustrieren, gebe ich einige Beispiele, die sich in ihrer Benennung gar nicht so sehr von unter andern Voraussetzungen schon Behandeltem unterscheiden: das natürlichste Tbema eines Heimabends ergibt sich aus Erlebnissen der Wanderung: Besuch einer Synagoge oder eines jüdischen Friedhofs oder eines anderen Denkmals jüdischer Vergangenheit, oder auch das Znsammentreffeu mit besonders charakteristischen Typen unseres Volkes. Von einem solches Erlebnis wird ein lebendiges Gespräch unbedingt den Weg zu geschichtlichen mw reügiöseu Betrachtungen finden oder wird ebenso zwanglos die modernsten Frage», wie' nationalen Zusammenhang der Juden 2c. berühren. Auf ähnliche Themats wird aum durch die mit unserem Wandern innig verknüpfte Frage der Ausgestaltung unserer Feste kommen. Ebenso nahe liegt grade einer Jugendgemeinschast das Bedürfnis, sich mit ihrer persönlichen Stellung zu einander und zum Judentum zu beschäftigen. — Diese Beispiele mögen zur Erläuterung meiner Forderung genügen: Der Heimabend Loll dem Erleben der Gemeinschaft entspringen. Was den unter dieser Voraussetzung entstandenen Heimabend von einem andern gleichen Inhalts unterscheidet, entspricht im weiteren Sinne dem Unterschiede, der zwischen „Bewegung" -und „Organisation" liegt. Maßgebend für die Beantwortung dieser Frage ist nicht die praktische Durchführung des von mir verurteilten Heimabends, sondern einzig und. allein das Versagen der Jungen selbst dann, wenn sie in der Lage sind, selbstbestimmend emzngreifen- Ans dem Gesagten ergibt sich ganz allein die Stellung, bie rem informatorische Auseinandersetzungen auf dem Heimabend einzunehmen haben. Sie sollen im Gegensatz zu ihrem Zweck in der Schule uut anregend wirken. Ihre Notwendigkeit herabzusetzen, hieße blind sein gegen die tatsächlicher! Verhältnisse im Westjudentum. Sie aber zum Mitirrhalt und Mittelpunkt unserer Bewegung mache» zu wollen, bedeutete, den Blau-Weiß-Gedanken als einen zum Judentum Whrenden, nicht als einen im Judentum eingestellten zu betrachten. Und ich glaube allerdings. J&afr xkicjüdische Jugendbewegung nicht mit der Ersülluug unserer HoMUnM.-.'Hby^iWg wird, sondern gerade dann ihre höchste Entfaltung zeitigen Wich. Das "Lernen anregend zu gestalten heißt aber, es mit dem Leben verschmelzen. Leben ins Judentum tragen: das jüdische Erlebnis bleibt auch hi.r der Ausgangspunkt.; h 1 * '