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Blau-Weiss-Blätter · 1917-10-01 · 3 (10.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
3 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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jüdischen Arbeiters und Bauern durchaus etwas anderes als z. B. im deutschen Bauern sehen, so dürfen wir dabei nicht vergessen, daß der „Geist" ein wesentlicher Bestandteil jüdischen Seins, das Salz seiner Erde, ist. Der Kampf gegen de« heiligen Geist" ist eine Reaktionserscheinung. — Und als eine Reaktionserscheinung ifi damit auch die Tendeuz zu betrachten, ängstlich jedes Problem aus dem Zusammenhänge des Heimabends zu umgehen. Ich gebe zu, daß es auf das „Wie" und „Warum" ankommt. Was nicht vorhanden ist,-soll nicht künstlich hineingebracht werden- Aber es bleiben anch für den strengsten Richter noch eine Unzahl vo« Problemen, die zur Besprechung drängen — nicht nur unter den Führern, sonder« ra der Allgemeinheit: in Heimabenden und Blau-Weiß-Blättern. Und doch wäre es wieder Intellektualismus schlimmster Art, wenn sich diese Problemstellung unabhängig von unserem sonstigen Leben entwickeln würde. Rur durch unsere Ge-- meinschast, die im Wandern ihre höchste Weihe erhält, ist sie gerechtfertigt und hat ihre lebensvolle Bedeutung. Man hört zuweilen: Dieser Junge oder dieses Mädchen können aus irgend einem Grunde nicht mitwandern, aber — sie kommen zu de« Heimabenden. Das ist kein Notbehelf. Die Leute gehören nicht zu uns, weil man nicht theoretisch Blau-Weißer, nicht theoretisch Jude sein kann. - Nachdem ich schon den Heimabend gegen die Pädagogik der Schule und Unterrichts abgegrenzt habe, erübrigt es sich fast zn betonen, daß ihm überhaupt ein engeres Ziel gefetzt ist. So batte ich es für eine schwere Sünde gegen den Sin« unserer Bewegung, wenn man von Führern zu hören bekommt: die Heimabende für Aeltere dienen zur Ausbildung der iJmrgen und Mädchen zu Führern und Fahrerinnen. Oder, wenn Andere die Forderung aufstellen, daß der Zweck der Heimabende darin bestehe, der Wanderung, die doch allein der körperlichen Betätigung diene, durch eine geistige jüdisch-informatorische Beeinflussung würdevoll zur Seite zu treten und sic zu ergänzen. Der einer solchen Anschauung muß der Schwerpuntt-rmd die Betonung im Leben des Blau-Weiß unbedingt auf den Heimabend fallen. Za, versteht man denn die jugendliche Seele so schlecht im Blau-Weiß, daß man ihre Revolution gegen Elternhaus — nicht gegen die Tradition übrigens — auf Kosten einer ihr zum mindesten fremden Betonung physischer Ausbildung einer-, seits und ihr durchaus fernliegenden geistigen Beschäftigung mit national-jüdischer Phraseologie andererseits für möglich oder wahrscheinlich hält? Hat nicht die durch den Krieg hervorgerufene Institution der Schülerführer in ihren Licht- und Schattenseiten zur Genüge bewiesen, daß es eine „Ausbildung" zum Führer nicht gibt 1 Führer wie Wanderer stellen sich selbst an ihren Platz in der Jugendbewegung, die allein revolutionierend wirkt, daß sie als Ganzes in allen ihren Institutionen, Wanderung und Heimabenden, im, Sinne des Aufbaus, des Jüdisch-Produktiven, wirkk Produktion und Rezeption aber stehen in demselben Verhältnis wie lebendige- Judentum zum Rabivismus. Wenn es auch niemand leugnet, daß selbstverständlich Produktion nur auf Grund der Beherrschung des Stoffes zustande kommen kamr, so sieht man doch in diesem Zusammenhänge sofort, daß ein Ueberhandnehme», ja eine Betonung des „Lernens" jegliches Leben ersticken muß. Wer hier die Grenze M z ehen weiß, wer aus natürlichem Gefühl heraus das Verhältnis zwischen maximalem Tatbedürfnis der Jugend für ihr Volk und ihre Aufnahmefähigkeit abschätzen kann, der steht wirklich innerhalb der jüdischen Jugendbewegung, der kann beurteilen, welche Stellung der Heimabend -um Wanderer einnimmt. — Bisher habe ich uur den Versuch gemacht, durch Abgrenzung des Themas nach außen hin die rrtumlichsten Anschauungen über Zweck, Form und Inhalt der Heimabende aufzu-

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