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Blau-Weiss-Blätter · 1917-10-01 · 3 (10.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
3 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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1 y Srirnabeude . Es ist sehr glücklich und äußerst nötig gewesen, daß'Max Hirsch irr htm 1. Heft der Führerzeitung einmal darauf aufmerksam gemacht hat, daß wir wirklich ein »JLidischer Wanderbund" und kein Diskutierklub find und diese kurze Erinnerung hätte es verdient, besonders an sichtbarer Stelle herausgehoben zu werden. Denn leider fehlt noch fast überall bei uns das Verständnis dafür, welchen'Matz das Wandern in unserer Bewegung einnimmt. Selbst Moses Calvary empfindet hierein Problem. Recht günstig und klärend für den, der diesen Gedanken weiter nachgehen will, scheint mir ein Satz zu sein, den ich jüngst gelesen habe: Es kommt nicht darauf an, Judentum ins Leben, sondern Leben ins Judentum zu tragen! . Wenn man nun hier zu Ende denkt, so wird unsere Frage nicht mehr heißen: »Wie ordnen wir das Wandern in den »Jüdischen Wanderöuud" ein?" sondernr »In . welchem Verhältnisse steht unsere sonstige Arbeit auf Heimabenden und ähnlichen Verarsstaltungeu zur Wanderbewegung?" Der Versuch einer Beantwortung weder dieser Frage noch der ihr uutergeordneten nach Thema und Form diirfte in dem^ was Grete Eckstein, noch mehr aber Remhold Cohn und Lusch Melnik geschrieben haben, gescheitert sein. Und doch müssen wir uns darüber aussprecheu. Ziehen wir zuerst einmal die Grenzen unserer Besprechung. Der Heimabend hat durchaus keine Beziehung zur Pädagogik im engeren Sinne; denn da handelt es sich um zwei Voraussetzungen und eine Aufgabe, die bei uns fehlen: Vorhandensein eines Erziehers und Erzogenen einerseits und Herstellung einer möglichst ge« winnbriugenden Wechselwirkung beider andererseits. Wir lehnen voll Entrüstung stetsden Vergleich unseres Heimabends mit den Fuxenstunden des K. I. B. ad und erblicken sogar hierin eine dem Bl. -W. spezifische Institution. Mit welchem Recht? Sind unsere Ziele andere? Sind die Menschen verschieden oder liegt es an der Altersdiffereuz? Oder sind etwa die Themata (soweit sie nicht parteipolitischer Natur sind) so andersarttg? Höchstens könnte einer meinen, es Lege doch an der Altersdiffereuz, die uns eine andere Form ausdrange. Aber wenn mir auch schon der Unterschied geistiger Kapazität zwischen Primanern und Fnxen nicht einleuchtet, so ist doch hier zu bedenken, daß es sich gar nicht um den Inhalt, sondern um die Form handelt. Mit welchem Recht also wehren wir uns so gegen eine Gleichstellung? Doch nur aus dem Grunde, weil unser Heimabend im engsten Zusammenhänge mit unserm Wandern steht, ja, ich möchte sagen, aus ihm geboren wird, ihm Entstehung, Form und Wirkrmg verdankt. Wir treiben auf dem Heimabend keine »geistige Gymnastik." Seine Güte ist nicht von der Größe seiner intellektuellen Qualität abhängig. Auch das ist eine der Grenzen meines Themas. Interessant ist es, mit welcher Heftigkeit man sich - »von oben her" für die Bekämpfung des jüdischen Intellektualismus emsetzt. Die Regeneration des jüdischen Volkes beginnt nämlich damit, im dunklen Drange sich gegen all das zu wenden, was Galuth und tausendjähriges Fehlen nationaler Bande an. schlechten Eigenschaften hat emporschießen lassen. Das hieße aber »das Uebel mit der Wurzel Herausreißen" oder zu verkennen, aus welchen vorhandenen Ursachen sich eine Abstrahierende, das Leben in seiner Realität regierende Weltanschauung im Judentum. hat entwickeln können. Selbst wenn wir also den Wunsch hätten aus dem Volke höchster geistiger Kultur, dem Volke des Talmuds und der Bibel ein Volk werden , zu lassen, das seine Ideale auch in der Bebauung des Bodens und in körperlicher Tüchtigkeit findet, wenn wir auch heute schon in dem Typ des 48

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