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Blau-Weiss-Blätter · 1917-10-01 · 3 (10.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
3 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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öttf die Broschüre von Gunkel hm,-die Euch sehr viel Material liefern kann. Nnd einen anderen Stoff Will ich hier noch andeuten: Palästina. Einer 'unserer Führer versucht gerade an Hand von Reiseöeschreibungen, von palästinischen Legenden die Schönheiten unseres Landes seinen Jungen vor Augen zu führen, um in ihnen ein Land der Sehnsucht entstehen zu lassen. III. ~ Diese Grundlage, deren Wesen ich eben versucht habe, darzustellen, - muß geschaffen sein, um die Heimabende der neuen Entwicklungsstufe auf ihr aufbauen zu Wunen. Hat die Erkenntnis der Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft feste Wrwzeln gefaßt so ist jetzt das Ziel der Heimabende die bewußte jüdische Einstellung gegenüber allen Fragen, die uns entgegentreten. Zungen und Mädchen von 14 Jahren an uwgen hier einbegriffen sein. Dem Zungen von-14 Zähren genügt nicht mehr das rnßinktmaßrge Erfassen der Dinge, er will sie auch verstehen, er will nritIhnen kämpfen, auf daß sie ihn segnen. Es sind fast ausschließlich jüdische Materien, die jetzt auf dev Heimabenden besprochen werden müssen. Es gilt hier, selbst einmal zu lernen, was es heißt, jüdisch denken, hinwegzuränmen mit alledem, was durch Geschichte, Umgebung und Schule dazu beigetragen hat, unser Denken durchaus zu einem Deutschen zustempelu. Die Arbeit, die der Führer hier an sich selbst zu leisten hat, ist fast noch schwieriger als diejenige, die ihm durch die Beschäftigung mit seinen Jungen erwächst. Die ganze Arbeit muß systematisch geleistet werden, Baustein um Baustein muß heraugetragen werden, um die jüdische Persönlichkeit zu bilden. Die Bibel muß systematisch durchgearbeitet werden. Spricht man über jüdische Helden, so soll Bibelstudium Grundlage dazu bilden, spricht man über Gemeinschaft, so soll man die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in der Geschichte verfolgen, ausgehend vom Verhältnis des Volkes zu seinem Führer in der Bibel, hinweisend auf die Gemeinschastsbildung der Juden in der späteren Geschichte, bis man schließlich auf Verhältnis von Volk zu Führer im Blauweiß eingeht. Dies bedeuten alles Anregungen, die zum Teil recht schwer auszuführen sind. Ich will noch von zwei Versuchen sprechen, von denen ich den einen selbst gemacht habe. Ich bin von den Gedanken der zweiten und dritten Buberrede ausgegangen, in denen er das Judentmu als einen geistigen Prozeß darstellt, der sich als das Streben nach der Verwirklichung dreier Ideen oder Tendenzen, der Idee der Einheit, der Tat und der Zukunft vollzieht. Ich habe versucht, in einer Reihe von 15 Heimabenden diesen Geisteskampf zunächst aus der Bibel nachzuweisen, ihn von dem Mythos der Bibel über die Königszeit zu verfolgen und im Prophetismus seinen hehrsten Ausdruck darzustellen. Ich habe dann diesen Prozeß weiter in der jüdischen Geschichte vor allem in ihren Höhepunkten sich weiter entwickeln sehen und ihn bis in die Gegenwart hinein verfolgt, wo 'man eine Unmenge von Keimen, die aber frappant in dieses Bild sich einfügen, aufsprießen sieht. Man wende mir nicht ein, daß wir. damit wieder in das Fahrwasser der literarischen Abende geraten. Der Heimabend wird, richtig ungefaßt, nichts von diesen von uns'in jeder Weise abzulehnenden Diskussionsabenden an sich haben. Wir Juden sind einmal das Volk des Geistes, und wenn Man überhaupt irgend einen Sinn in der Geschichte sieht, so wird man dies aus der Entwicklung des Judenvolkes herauslesen. Wir sind ein starkes Volk gewesen, solange wir mit der Natur, mit dem Boden in Berührung standen, und solange der Geist lebendig war und nicht znr Formel wurde wie im Mittelalter. Die Gefahr HWhtMtürlich^auch bei uns, wie sie eben immer bestanden hat, doch 45

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