Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 3 (10.1917)
- Date
- 1917-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Auf der anderen Seite mußten die Führer, die ja zürn großen Teil nicht aus der Jugendbewegung hervorgegangen waren, eine Entwicklung dnrchmachen, die sie als jüdische Jugend sichrer geeignet erscheinen ließen. Soweit sie Studenten waren, mußten sie von alten studentischen Zöpfen Abschied nehmen, denn sie mußten erkennen, daß ihre studentischen Formen Assimilation waren, und daß die neue Jugend wenig Verständnis fi'rr sie zeigte. Vor allem mußten sie suchen, sich mit jüdischen Inhalten zu erfiillen, sie selbst mußten und müssen die ersten sein,* die. mit einer jüdischen Einstellung allen Fragen gegenüber Ernst machen. Daß ihre menschlichen Qualitäten Grundlage bilden für ihre FührerqualiLLLen ist eine Selbstverständlichkeit, über die auch bei uns nicht mehr zu sprechen ist. - Erst auf dieser Basis, erst unter diesen Voraussetzungen konnte es zu dem Verlangen nach dem Ausbau unserer Heimabende kommen, erst auf dieser Grundlage hat es eiitett Wert, über den Sinn unserer Heimabende zu sprechen. ';; - ' ■ ii. ' .. ' - . ' Nach einer Arbeit von über 2 Jahren am Ausbau der Heimabende, die auch reich war an mißglückten Versuchen, — und ich halte diese Arbeit für notwendig, um überhaupt zu dieser Frage zu sprechen, ergibt sich mir etwa folgendes Bild bei der Einrichtrmg unserer Heimabende: Je nach dem Ziel, das der Heimabend verfolgt, wird seine Einrichtung eine andere sein, und dieses Ziel erscheint mir vorgeschrieben durch die Stufe der geistigen Entwicklung, auf welcher der Wanderer angelangt ist. Von dem Ziel der Heimabende soll also hier die Rede sein und von den Wegen, dieses Ziel zu erreichen. Drei Entwicklungsstufen sehe ich hier vorgezeichnet. Das Ziel in der ersten Stufe, die Wanderer bis zu 12—14 Jahren umfaßt — ein genaues Alter laßt sich natürlich nicht angeben — ist, in.den Blauweißen das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit m der Blauweißgemeinschaft zu verankern. Ein instinktives Erfassen des Blauweiß als die Gemeinschaft der jüdischen Jugend muß die Aufgabe sein, die der Führer sich für seine Heimabende gestellt hat. Es kommt nicht darauf an, den Heimabenden unter diesem Gesichtspunkt ein bestimmtes System zu geben. Im Gegenteil: Das Wesen der Heimabende der Wanderer bis zu 14 Jahren scheint mir gerade darin zu liegen, daß auf den verschiedensten Wegen versucht wird, dieses Ziel zu erreichen. Das wichtigste Ziel ist das häufige Zusammensein, das erst das Bedürfnis nach der Gemeinschaft schafft. Da mag der Führer mit seinen Jungen eine Geschichte von Perez lesen, oder er mag mit ihnen Lieder singen, Eisläufen oder rudern gehen, der Verkettung mit dem Blau-Weiß muß und wird jede dieser Rasten dienen.. Ich schließe dabei jüdische Themen natrirlich nicht aus. Jüdische Märchen, Erzählungen über unsere Feste bieten geeigneten Stoff, doch brauche ich in diese- Phase meines Referates, wo es auf die Methode nicht auf den Stoff ankommt, und nicht eingehender darüber zu sprechen. In einem Mer, in dem der Wanderer eine Sehnsucht in sich trägt nach den Heldengestalten der deutschen Sage, nach dem treuen Hagen und dem starken Siegfried, wird der Führer von jüdischen Helden erzählen, von den Propheten, den Makkabäerkämpfen, von Bar Kochba. Er muß sich aber vor dem Fehler hüten, noch selbst beeinflußt durch das germanische Heldenideal nun auch Bar Kochba etwa als das Ideal eines germanischen Helden darzustellen. Gerade dieses Kapiteldürfte für Heimabende sehr dankbaren Stoff bieten. Denmr mit dem Kennen- und Liebenlernen dieser Gestalten zieht in die Seele auch die Liebe zu dem Volke ein, das die Gestalten hervorgebracht hat. Ich weise Euch hier noch einmal 44