Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2708691-2708692-2708694--038-2708766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mr fähig ist, sie zu erleben, aber ohnmächtig aus eigenem etwas Lrnzuzufügen « wird jedoch nie und nimmennehr daran denken, durch ein Dogma Voraussetzungen unseres Wesens abtun zu können, als hatte es sie nie gegeben. Wohl wissen wir, daß es auch für uns „eines handelnden Willens" bedarf, daß es nicht genügt festzustellen, daß „das Jüdische schon Ln uns liegt und unsere Handlungen ihm bestenfalls dazu dienen sich auszusprechen." Auch wir müssen entscheiden, „welcher Mög- Lchkeit in uns wir mehr vertrauen, der. jüdischen oder der anderen." Aber diese Entscheidung kann nicht auf Befehl erfolgen; sie ist ein stets enkutes, schweres Ringen um uns selbst, sie bedeutet in jedem Augenblick eine Auseinandersetzung unseres Willens mit dem reichen Leben um uns, das ja auch in uns ist. Darin aber liegt der Sinn unserer jüdischen Erziehrmg, den Scholem nicht verstehen kann: daß wir uns für für diese Kämpfe immer mit besseren Waffen versehen, daß wir dem Jüdischen in uns immer stärker zu Hilfe kommen wollen, daß wir in unserem Gefühl ein Bollwerk des Jüdischen zu errichten suchen, das uns ein Rückhalt bei Enttäuschungen und ein Stützpunkt für immer weiteres Fortschreiten auf unser Ziel fein kann. Aus diesem Grunde lernen wir, ohne uns einer Ganzheit zu rühmen, die wir nicht besitzen, hebräisch, darum suchen wir die Gestalter: unserer jüdischen Vergangenheit der Zugend lebendig zu machen, darum schließlich wagen wir uns sogar an eine Wiedererweckung jüdischer Feste in neuer Form, wenn wir erkannt haben, daß die überlieferte Art der Feier den Bedürfniffen unserer Gemeinschaft uicht entspricht. Wir wehren uns nicht gegen den Vorwurf der Geschmacklosigkeit^ den man uns gemacht hat; denn wir wiffen, daß wir noch mehr Geschmacklostgkmten in dieser gährenden Zeit werden begehen müssen, und wir fühlen uns gerechtfertigt dadurch, daß am lodernden Makkabäerfeuer gewiß noch niemand an Hermann oder Siegfried gedacht, daß aber Hunderte zum ersten Mal lebendig gefiihü haben, daß sie Juden sind. Wir schämen uns nicht zu bekennen, daß die Verbreitung des Hebräischen im Blau-Weiß immer wieder auf Schwierigkeiten stößt. Wir sind einsichtig genug zu verstehen, daß es sich um Schüler handelt, und daß OS ihnen schwer fallen muß, den Unterschied zwischen .dem Hebräischen und irgend Einer der Fremdsprachen, mit denen man sie quält, zu begreifen. Aus dieser Ein« sicht aber leiten wir die Pflicht her mit Wort und Tat, mit Ermahnung und Beispiel immer wieder zu wirken, daß das Ziel erreicht wird. Wir Führer müssen hebräisch können oder lernen und werden am bester: trrn, es mit unseren Wanderern gemeinsam zu lernen und auf jede falsche Scham in dieser Hir:sicht zu verzicyten. Was erreicht werden kann, laßt sich aus einigen Zeilen Weitzmanns über den Blau-Weiß ersehen, ohne daß wir heute bereits das Lob, daß er uns spendet, in Anspruch nehmen dürfen: „Der Blau-Weiß nahm seine Form gewiß vom deutschen. Wandervogel und sein Zwecks war vorerst unsere Jugend wieder zur Natur zurückzusthren. Doch ein kaum vierjähriges Bestehen genügte, hier einen jüdischen Geist zu «zeugen, an dem bereits ganz bestimmte positive Werte zu erkennen sind, . . . ohne daß man ihm menschliche Verarmung vorwerfen dürste. Das.Hebräische hindert nämlich niemand sich mit Goethe zu beschäftigen ... wie aber, wenn für diese Zugend die deutsche Lokalfarbe bereits ihre Macht verloren hat, wenn sie sich mL Arma Karenina nicht weniger als mit Gretchen identifiziert, wenn das Deutsche nicht mehr der Inhalt, sondern eil: Inhalt ihres Erlebens wurde? .... In dieser Zuguch lebte Palästina als die Möglichkeit zu der alle anderen Bemühungen hin- Uhren müssen." . Ohne daß es jemals klar erkannt oder ausgesprochen worden wäre, lag d«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.