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Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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sere Nöte mit einer Handbewegung ab'und verlangt Entscheidung; aber gerade die kraflestelL Entscheidungen sind häufig, die leichtesten, da sie in Wahrheit oft keine Wandlungen bedeuten; wir können nicht durch einen Akt des Willens Zum. Aus» gqngspunft unseres Weges machen, was — vielleicht — das Schlußglied einer Kettevon Entwickelungen sein wird.^ Es. ist fteilich bequem, sich dem Dogma — heiße es Heer, Kirche, Ganzheit — zu unterwerfen, wenn es bewahrt vor der Ver» antworlichkeit für sich selbst; es ist sicherlich leichter, seine „Pflicht" zu erfüllen und zu vertrauen, „daß Gott nicht zögern wird das Seine zu tun," als unter Schmerzen zum Bewußtsein seiner Selbst zu gelangen. Wäre Scholem nicht so ganz unkünstlttisch^ er würde nicht die Seelen,Löten wollen, damit Zion lebe; wäre er Nicht Lei allem starken Willen im Innersten beschränkt, er würde verstehen, daß Beschränkung sticht, zur Ganzheit, sondern zur Armut oder — zur Lüge führt, daß man die Augen nicht vor dem Leben verschließen darf, will man Leben erringen, und daß man in seinem Zeichen vielleicht Zion erkämpfen, es jedenfalls nicht besitzen und erfiillen wirb. V *Nein^ Scholem hat unseres Geistes keinen Hauch verspürt, und wir hätten kaum Veranlassung uns mit ihm mehr als betrachtend zu beschäftigen, wenn er nicht in. unseren Reihen bedingslose Gefolgsmannen gefunden hätte. Sie wenden sich mit ihrem Meister vom Blau-Weiß ab; ihnen ist das Wandern ein Weichen vom Wege nicht weniger, als die Mittel jüdischer Beeinflussung, deren wir uns bedienen. Sie seheu nur „llit * Ordnung" und finden in ihrer Armut keine andere Möglichkeit der sie verwirrenden Reichhaltigkeit der Formen und Inhalte zu entgehen, als die Beschränkung, die ihnen ja auch sonst nicht wenig entspricht. Wir aber, die den Pfad durch das Chaos zu sehen glauben, wissen, daß auch ^ie „Verwirrung" eine notwendige Entwickelungsstufe der aufgefchreckten Jugend ist, daß Menschen. denen alles zu wanken begann,.was ihnen heilig war — Eltern, Familie, Gemeinschaft — die in einen Kreis überwältigender, ihnen fremder Tatsachen, Gedanken, Vorstellungen gestellt sind, notwendig schwanken muffen, je begabter, tiefer, ehrlicher sie sind; und daß man Steine stakt Brot gibt, wenn man suchenden Seelen statt des Weges nur ein Ziel zu weisen hat: Zion, während ihnen Zion doch nicht mehr als ein Wort ist. Es. gibt nämlich menschliche Note, denen mit Imperativen nicht beizukommen ist; es gibt stärke Herzen, die den Weg nach Zion erkämpfen müssen, die fühlen, daß ihr Zionismus auf Lüge beruht, wenn er sich auf Unterwerfung begründet, und die den Unterton der Unwahrhastigkeit auch aus dem Klange hebrärscher Lieder^ heraushören, selbst oder gerade wenn sie hebräisch sprechen, als stammten sie aus Erez Israel. Siegfried Weitzmann hat schon recht, wenn er in seinem ausgezeichneten Artikel zur Palästina-Frage *) aus führt: „Auch wir bekennen uns als Angehörige des deutschen Kulturkreises und denken und reden in deutscher Sprache; das Hebräische wird gerade dem Begabtesten, auch wenn sie es ganz gut lernen, nie die lebendig gefühlte Kraft ihrer Muttersprache ersetzen. Unsere tiefsten Erlebnisse haben sich, ehe wir ein nationales Bewußtsein hatten, an deutschen Dichtern entzündet und aus Deukern wie Schopenhauer lernten wir das Geheimnis der Persönlichkeit." Wer die Richtigkeit dieser Sätze an sich selbst erfahren hat/der wird freilich, wenn -er jüdisch fühlt, erkennen, „wie wenig ihm diese ganze Kultur gehört, wie er eben *) Diese Zitate sind dem 10. Kriegsheft des "Jüdischen Studenten", der internen Monatsschrift des Kartells Jüdischer Verbindungen ruir Erlaubnis des Präsidiums des K. I. V. und des Verfassers entnommen.

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