Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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m Recht zu der Behauptung verleiten wollen, daß »einige aus den Kreisen, die «an oft die Radikalen nennt, durch die Zrrsammenschweißung der merkwürdigsten Dinge mit »konsequentem" Zionismus die Verwirrung auf eine schwindelnde Höhe der Paradoxie getrieben habenScholem meint es schon ernst, wenn er Einseitigkeit und Ganzheit heischt; alles andere ist ihm Umweg und Abweg. Er-verneint die Entwicklung und will die »Entscheidung/ er verneint den »Reichtunk" nnd will die »BMränkrrng," er verneint das Leben und will das »Dogma": er braucht nicht Menschen/er braucht Soldaten oder Mouche. Scholem ist der wahre Anti-Blau-Weiße. Sieg seiner Theorie heißt Tod des Blau-Weiß. DaS hat Oppenheim, als er seine Erwiderung schrieb, nicht gemerkt. Er sucht zu vermitteln, und es muß gesagt werden, daß ScholemS Angriff, so bekampfenswert er ist, unendlich meh^ des Geistes und der Größe hat, als die schwächliche Parade Oppenheims, der das nüchterne Programm einer Parteischule mit den heiligen Insignien der Bewegung zu krönen wagt. Es ist nicht Ganzheit und hat mit Geist und Größe gewiß nichts zu tun, wenn man fein säuberlich festsetzt: § 1) »Wir erblicken in der Erlernung der Hebräischen Sprache eines der wesentlichsten Mittel zur Nationalisierung der jüdischen Jugend" . . . . § 3E) »Wir wollen aus unserem Gefühlsleben (!) jeden fremden Einfluß verbannen, der uns auf unserem Wege nach Zion hinderlich ist. Diese Fassung des Scholem'schen Imperativs gibt weder denen, die ihn Kellen, die Gewißheit, daß er erfüllt wird, noch denen, an die er gestellt ist, den Antrieb ihn zu erfüllen. Möchte ich doch bezweifeln, daß sogar Oppenheim in Wahrheit daran denken will und kann. jeden jfremden Einfluß von sich fern zu Hatten, der ihn auf dem Wege nach Zion hemmen könnte. Das aber ist es eben, dieser Zwiespalt zwischen Wort und Tat, der Scholems »Wut und Empörung" weckt, da er doch fordert, daß man mit der Bewegung verwachsen und sich mit ihr identifizieren soll, »sodaß es ganz gewiß Unsinn sein wird, von der Bewegung und ihren Trägern als zwei verschiedenen Dingen zu sprechen." Die Ganzheit", die er meint, »darf nicht aus vielen Bestandteilen bestehen, sondern nur aus einem Stück" Was Oppenheim will,' ist für Scholem unannehmbar, ja muß ihm als Gipfelpunkt, als ein Gaurisankar der Verwirrung erscheinen. Argumente, gar, die der Taktik entspringen, die auf die Neuhinzukommendew verweisen und auf die Notwendigkeit »dem mit unserer Sehnsucht Erfüllten den Sprung zu uns" möglich zu machen, find durchaus verurteilt an dem Granit der Ganzheitsforderung zu zerschellen. Denn da wir die Ganzheit nicht haben, die »notwendige Vorbedingung" uns . fehlt) dürfen wir ja andere garnicht zu uns kommen lassen, und wenn sie sich in Sehnsucht verzehrten, Scholem kann immer wieder auf die Worte seines Artikels Hinweisen: »Daß in solcher Jugend keine Ganzheit des Judentums und keine Fülle der Inhalte geborgen werden .kann, wenn nicht der Weg . . . Taktik und Klugheit, verlassen wird, versteht sich von selbst." Wir hatten uns einen besseren Vorkämpfer als Hans Oppenheim gewünscht, denn wir wenden uns gegen Scholem nicht aus Taktik und Klugheit; wir bekämpfen ihn mit Leidenschaft, aus ganzer Seele und aus ganzem Gemüt. Von ihm zu uns führt kein Weg; denn zwischen ihm und nns liegt die Kluft unseres Menschenürms, das er nicht versteht. Ihm ist das Problem Deutschjudentum »ur ein Problem; uns rüttelt es an den Seelen. Es ist leicht Opfer zu verlangen^ wenn man selbst keine zu bringen brauchte, und es ist interessant, daß Scholem. «ach feiner eigenen Angabe von diesen Kämpfen wenig berührt wurde. Er tut nn- 35