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Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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das zu verdecken, gar so eifrig umherflattert, lockt er alles ringsum zur Nachahmung, und wenn ja ein junger Adler damnter tyar, so laust schließlich auch der mit Pos. sittlichem Flügelschlag umher, wie eine Henne, die hoch hinaus will. Und noch immer Bewegung?! Da doch nirgends dtt Führer aufsteht» der die dumpfe, harrende Menge der Schüler, Studenten und Soldaten, die den Blau- Weiß bildet, die nicht fühlt, was nottut, sondern nur, was sie drückt, austüttelt 7 Der, um den Führer entstehen, wie um Friedrich und Napoleon Feldherren erstehen mußten! Noch immer Bewegung?! II; Man beginnt, nachdem man sich solange in Selbstgenügsamkeit sonnte, allmählich die Kritiken zu beachten, die Außenstehende an unserer Art üben. Die wichtigste von allen enthalt ein Artikel von Gerhard Scholem in Hest 12 des »Juden." Der Verfasser leugnet das Dasein einer jüdischen Jugendbewegung, einer »Bewegung, die von jungen Menschen als ZüLen gespiirt und getragen wurde." Er ficht nur Organisationen und sucht vergeblich an ihnen »die Insignien der Bewegung: Ganz» heit, Geist und Größe." Er nennt die Jugend »verwirrt" und spricht ihr das Recht der Propaganda ab, ehe sie zur Klarheit kam — er verlangt »Ganzheit" von ihr. Ganzheit der Hingabe, Ganzheit des Judentums. Er fordert von uns den Mut zur Beschränkung, zur Einseitigkeit, szur letzten Konsequenz — den Mut nicht wehr wir selbst sein zu wollen, damit ein neues Sein im Jüdischen erwache. Er weist, wenn ich ihn recht verstand, den einen Weg aus der Verwirrung: den Weg durch das Hebräische in die geistige'Ordnung der geheiligten Tradition. »Wenn nicht immer Synthesen gesucht, sondern Dogmen aufgestellt, ... . wenn in der Stunde der Gefahr nicht immer Bünde mit dem Anderen, dem Anderen in undW^unL geschlossen würden, dann würde sich die große Kraft wahrhast aufstauen, und dem Stauen könnte der Durchbruch der Bewegung folgen." Dieser Angriff, der nicht ausdrücklich dem Blau-Weiß gilt, ist wuchtig und gefährlich. Denn Scholem meint wahrlich nicht nur die Fehler, die Auswüchse, die Unselbstständigkeiten und Unwahrhäftigkeiten, die ich vorhin rügte — sie find ihm nur notwendige Folgen der Verwirrung, die seiner Ansicht nach im Wesen der jüdischen Jugendbewegung" begründet ist. Er bekämpft die Grundlagen des . BlaU'Weiß, diese Verknüpfung'von Wandern und Judentum, die ihre Rechtfertigung eben aus dem Problem »Deutschjudentum" nimmt, dessen Negierung Scholem fordert Wenn Calvary in Lockwitz gesagt hat: »Wir brauchen die jüdische Gemeinschaft weil sie uns befähigt, frei von aller Befangenheit reinere, bessere, wertvollere Menschen zu werden, weil wir die Empfindung haben, nur in ihr unsere menschlichen Werte ungestört von allen Hemmungen entfalten zu körrnen" — so sieht Scholem in dieser Betonung menschlicher Werte wohl nur einen Vorwand, den wir brauchen, um ein »Hinein- und Hinab steigen in das Judentum" mit leidlich gutem Gewissen vermeiden, um irgend wie weiter »Berlin" meinen M können, wenn wir »Zion" fordern. Wenn Calvary schreibt: »Das gemeinsame Wandern mit all feinen menschlichen Werten, der Gesundung der Sinne, des Gefühls, der Willenskräftestellt einfach eine Form unseres Judentums dar: das.p&g&rat verhält sich zum Judentum wie Form zum Inhalt . . . . Wir brauchen nirs nicht darüber den Kopf zu zerbrechen, daß diese Form ja nicht eigentlich jüdisch ist. Sie wird dadurch jüdische Form, daß wir als Juden sie aufnehmen" — so wird Scholem daran wohl

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