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Blau-Weiss-Blätter · 1917-08-01 · 2 (8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
2 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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tzZgeKr jubelt unsere Jugend, dem süßen ' Zeug brausenden Beifall! — Seht die Blem-Weiß-Blätter; eine kleine Anzahl von Führern schreibt sie zusammen. Aber Lest einen Aufsatz, wie den von Willi NorÄnnd in der letzten Nummer, der nicht einmal übet ist. Aber ist es nicht unoriginell bis in die Fingerspitzen, nicht ganz und. gar „Wandervogel?" Und lest, was wir nicht drucken! Wie da alle?. Schablone ist? Wohlgestempelte Gesinnung, auch da. wo sie sich radikal gibt. GesÄhlchen, die sich blähen, Gedanken, die überschwänglich sind, aber gewiß nicht an Ueberfülle an Kraft oder Geist, Bilder, die wir als unerhört empfinden, nKht weitüberschäummde Phantasie, sondern weil unglaubliche Plattheit sie schuf. Es ist eine Literatur medrigster Art, ununterscheidbar (dem „Geist" nicht dem Inhalt nach) von dem, was tausend Wandervogelgaublätter einer genügsamen Jugend allmonatlich vorsetzen, «ne Literatur, die weder Kunst, noch Wahrheit — beides höchst beunruhigende Begriffe! — sondern einfach Journalismus, philisterhafter, seichter Journalismus ist. Und selbst das wäre nicht gar so schlimm, wenn nicht alles so sattsam bekannt wäre, wenn es nicht auf ein Haar den Wandervogelbildern gliche, die Goldbanm in den Blau-Weiß- Blattern neulich ganz schön kennzeichnete: Es ist stets dasselbe: die Kringel und Sätzchen, die Wolken, die aussehen wie Kiffen und die Hände, die junge Juden gemeinhin gen Himmel recken. Aber man ruft mir Lockwitz entgegen: da geschah ja das Große, da machten wir uns doch mündig, weil das Erleben über uns kam, weil wir voll des Geistes waren, wie die Jünger Jesu zu Pfingsten? Ihr seid keine Apostel! Es soll nichts verdunkelt werden. Ich weiß, wer Lockwtz gemacht hat, könnte Namen neunen; aber die es sich heute zugute halten, die „Bewegungskünstler", die waren unschuldig daran, wie Neugeborene, die haben gestört oder sich fortteißen lassen und sich nachher geärgert, daß es sie ergriffen hatte! Warum überhaupt Bewegung? Seit Blüher wurde der Begriff oft gefälschte Scheidemünze, so daß niemand mehr recht Bescheid damit weiß. Der meinte gewiß nicht die bewegte Masse, die sich irgend wohin „bewegt." Der spricht vom Führer, der das Volk „erwählt," nicht vom Volk, das sich seine Vertteter sucht. Dessen Führer standen nicht auf dem gleichen Boden wie die Jugend, dre sie leiteten; sie erlebten gewiß mit der Jugend, aber doch nicht wie diese Jugend, sie trieben nicht in der Bewegung mit, sondern sie schritten voran, mochten ihre Erwählten denn folgen. Der kleine Gernegroß freilich läßt sich schieben. Er ist ja nicht mehr, meist weniger als seine Wanderer; denn er hat langst die Möglichkeiten der Entwicklung emgebüßt, die jene noch besitzen. Er, geistig ewiger Sekundaner, der auf keine Versetzung zu hoffen hat, macht aus der Not eine Tugend, nennt sich jugendlich, weil er still steht, glaubt sich Führer, weil er das Klischee seiner armseligen Erlebnisse immer wieder einer harmlosen Jugend aufzudrücken weiß! Er braucht die Wandervogelpose, die Menge der Waudervogelforderungen, um seine Blöße zu decken, er der Entwicklungsunfähige, ist sein Lebelang an die Wandervogelform gebunden, der er überall Eingai g zu verschaffen sucht, ohne natürlich wissen zu können, daß sie nur für eine Stufe des Werdens paßt. Und inzwischen meint auch er, sich dem Ziele zu zu „bewegen" —- bis er merken muß, daß dieses Ziel nie erreicht werden wird, weil das bischen Strömung längst versandet ist und er auf dem Trockenen liegt. Da zappett er dann und nennt seine Krämpfe Kämpfe; die Not des Nichtweiterkonnens zerreißt seine strebsame Seele; er ist der trauernde Aar. dem nimmer noch her HochstM gelang, der aber gelingen muß und ahnt doch unter Beängstigungen, baß er nur ein Hühnchen ist, dessen Schwingen längst verkümmerten. Und da er, 33

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