Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Hoch nur die zur Geltung kommen zu lassen, welche die Zukunft in sich tragen- Mir können hierfür noch weniger wie bei vielen anderen Fragen ein. Rezept , auf- Kellen, sondem die Witterung der Führer ist eS, die hier entscheiden muß, aber Hüten sollten wir uns. hier ganz besonders vor geistigem Hochmut, Dur der Einbildung, wir seien die besseren Menschen, wir hätten allein die Wahrheit geschaut, Die ist noch immer von dem ewigen Schleier verhüllt wie das Bild zu Saks, und je weniger wir den Schleier gelüftet zu haben glauben, umso mehr werden wir . Don ihr gesegnet. Hier müßten wir mit noch viel mehr Demut und Scheu nn die Dmge herantreten. Das Leben überhaupt und das Dasein unseres Volkes insbesondere ist so überreich an Gebilden und Erscheinungsformen, in so überquellender Schöpferlust gebiert jeder Augenblick eine unendliche Fülle von Gestalten, daß unser Teil nichts weiter sein kann als ehrfürchtiger Schauer und demütiges Tun äuge- Kchts der schaffenden Gewalten, die uns überall entgegentreten. Und da wollen .wir uns manchmal vermessen, allzusehr zu wählen, auszuschalten, einzufügen und unsere armseligen Konstruttionen an die Stelle des lebendigen Lebens zu setzen, Glauben wir doch mit viel mehr Innigkeit und Hingebung an das Schöpferische in unserem Volke, bejahen wir ttt viel stärkerem Maße Falles Jüdische, auch wen» uns fremd' anmutet, versuchen wir nicht, Konstruktionen in die jüdische Wirklichkeit sowohl der Vergangenheit als der Zukunft hineinzuinterpretieren. Das ist Baalsdienst. Das scheint mir überhaupt der Sinn alles Baalsdienstes zu sein, daß man an Stelle der schlechthin zu bejahenden und anzuerkennenden, inneren Wirklichkeit alles Seins und Geschehens, aus welcher uns Göttliches entgegenftrahft, Kch etwas selbst konstruiert, um es dann zur Richtschnur zu nehmen und dararr stets scheitert, scheitern muß, wie alles Tun scheitern wird, das seine Gesetze nicht ausschließlich dem Rhythmus der Welt in ihrer ganzen Herrlichkeit ablauscht.- Das ist doch die Aufgabe aller Aufgaben, zu erkennen und zu tun den inneren Süm der Wirklichkeit und die erste Voraussetzung zur Erfüllung dieser Aufgabe ist Demut. „Nicht das ist Demut, wenn einer sich übersebr erniedrigt und vergißt, daß der Mensch durch sein Wort und seine Geberde über alle Welten den überfließercken Segen herabzubringen vermag." Dies wird unreine Demut genannt. „Das größte Böse ist wenn du vergissest, daß du ein Königssohn biß." In Wahrheit demütig aber ist wer die andern wie sich fühlt und sich in den andern. — Hochmut heißt: sich gegenüberstellen . ... der überhebt, sich, der sich dem andern gegenüberfüUt, Och höher fühlt als das allergeringste der Dinge . . . . (Buber, Baalschem). Haben wir auch immer diese Demut? Wir brauchten sie nicht, ja sie wäre uns geradeM hinderlich, wollten wir unserer Bewegung ein festumrissenes Ziel, etwa den ZioMwillen als Selbstzweck geben. Zion ist uns Ziel als einzige restlose Verwirklichn^- dasis unseres als Judentum in die Erscheinung tretenden ganzen Menschentmrs^ sicht mehr und nicht weniger. Wir würden unsere Aufgabe unterschätzen und Len Sinn unseres Tuns arg verengen, wenn wir Zion als Ziel schlechthin setzen woLun. Das kann es niemals sein. Wir sind kein Volk wie andere Völker und ein Land Mld sei es selbst das uns verehrungswürdigste und das, von dem wir für mchre Zukunft Größtes erwarten, kann uns niemals Letztes sein. Dazu sind wir vielzMef im Metaphysischen verankert und ich glaube fast, daß wir dieser Verankerung unstre Kraft und Dauer verdanken. Zion wird aber noch weniger das Zauberland sein, das ^us sich heraus gewissermaßen den neuen Menschen gebiert. Der wird letzten Endes nur werden aus der sittlichen Tat des Einzelnen hier und an jedem Orte And zu jeder Stunde, aus dem Ringen mit den Gewalten, im Jakobskampfe. Wir 25