Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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unserer Tage zu liegen: Är sind nicht ^ein Geschlecht, ausersehen zrue Reise friedvoll dahinströmenden Wachstums, erntende und in selbstverständlicher Überlieferung schaffende Erben, wie sie die Sommersonne der Jahrhunderte in ungezählten Generationen geboren werden und dahinsterben sah, .sondern wir find auserlesen Same zu sein, Same der Zeiten, Anfang und Ende, rastlos und unter Schmerzen schaffend. Gesegnete und Verfluchte, gesegnet wie lange Folgen von Geschlechtern nicht^vor uns waren, denn in unsere Hand ist das Leben vieler Kameraden gelegt, verflucht, denn wir find gekennzeichnet, nie uns zu vollenden, nie zu jener Geschloffenheit zu gelangen, die unsere tiefste Sehnsucht ist. — Und wenn wir nun unsere Leistung und unsere Aufgabe.gegenüberstellen, können wir dann zufrieden sein? Sind wir wirklich, soweit die Aelteren in Frage kommen, ein Brmd von im Volkstum Erneute« und soweit eS sich um die Jüngeren handelt, ihnen vorbildendes Beispiel jüdischer Lebensgestaltung? Wir wissen, daß unser Bund im Anfang vielen eine solche Aufrnttlung^ ihres Wesens bedeutete, wir wiffen auch, daß in unserer Mitte einzelne find, die auf unserem Wege schon ein gut Stück vorwärts geschritten find, muffen wir aber nicht heute bei mancher Erscheinung fürchten, als gewännen die Geschäftigen, die Allzuklugen, die stets Orientierten, stets Fertigen bei uns die Oberhand? Begnügen wir uns nicht schon oft mit schnell im Vorbeigehen erraffter jüdisch er? ' scheinender Lebensform, neuem und immer tieferem, rastlosen Schürfen abhold'- Sind wir uns auch dessen stets bewußt, daß der Man-Weiß noch seine Feuerprobe nicht bestanden hat, da noch keine ihm entwachsene Generation in das Lebe» der Alltags hineingestellt ist, wobei erst unter dem Anstrom so ganz anders gearteter Gewalten als sie dem jungen Menschen in der Bildungszett entgegentreten zu zeigen sein wird, wie tief im Einzelnen das Blau-Weißtum verankert ist. Empfinden wir auch oft genug das quälende Bewußtsein, eine numerisch wie kleine Bewegung wir find, wie weit wir noch davon entfernt find, auch nur größere Teile der jüdischen Jugend aufzurütteln, wie die überwältigende Mehrheit unserer Brüder und Schwestern trotz allem noch in dumpfer Lethargie oder in götzendienerischer Zerrissenheit dahinlebt? Zwar glauben wir aus unserer Geschichte den Erfahrung-, satz ableiten zu können, daß bei uns noch weniger wie bei anderen Völkern und Lebensgemeinschaften die Zahl der ausschlaggebende Faktor ist und daß die zehn Stamme nicht nur einmal untergegangen find, sondern in stetiger Siebung die Kraft unseres Wesens wächst und stch läutert. Aber andererseits müssen wir wissen, daß nicht wir selbst es sein können und dürfen, die das Sieb halten, sondern daß wir hier demütig und unserer Blindheit uns tief bewußt gläubig und voller Inbrunst uns hingeben müssen an die rätselhaften und unerforschlichen Kräfte unseres VoMtums, aus denen heraus in stets ungeahnter Verji'mgung sich neues Leben gebiert. -Uns aber steht es an, ins Breite zu wirken, alle heranzuziehen, die zum Abrahams- <bunde gehören, mit heißer Liebe zu umfassen die Myriaden unseres Volkes, fie in nie ermüdender Arbeit zu scharen um den Altar des Herrn, damtt das große Opfer dargebracht werden kann, das Werk am Volke und die Verwirklichung durch das Volk. Erst wenn wir die Vorstellung ganz von uns abgetan haben werden, wir könnten gewissermaßen ein besonderes Blau-Weiß-JudentuM schaffen, und wir uns dazu durchgerungen haben, alles, was von den Säften unserer Art durchpulst ist, organisch um einzuverleiben, erst dann wird der Blau-Weiß sich ganz zu einer . jüdischen Jugendbewegung auswachsen. Ich weiß, wie schwierig gerade im Praktischen die Lösung dieser Aufgabe ist, gleichzeitig alles Jüdische zu umfassen und doch hierbei das Wesenhaste von der Schlacke zu trennen, jeden heranzuziehen und 24