Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2708691-2708692-2708694--024-2708752- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jührerzeitung L«s«st \9X? Jahrgang | Heft 2 Ko« der Aufgabe. Die Lohser Tagung hat wohl bei den meisten von mrS neben lichtvolle» Eiudnicken ein vielfach unbefriedigtes Gefühl zurückgelaffen- Und nicht der außerlich enggefpannte Rahmen des Tages war hierfür die Ursache, sondern der beängstigende Eindruck, als seien wir trotz aller zu konstatierenden Gegenströmungen ln Gefahr zu verflachen. Zweierlei, scheint mir, ist es,daS vom Wege ab in die Irre zu führen droht und vor dem deshalb nicht rechtzeitig genug gewarnt werden kann: Die Ueberfchätzung des bisher Geleisteten und die Unterschätzung der Aufgabe. . Dir legen' unserem Bunde eine entscheidende Bedeutung bei innerhalb deS gesamtjüdlschen Lebens wenigstens Deutschlands, wir glauben der Anfang eines »euen Lebens zu fein, die Keimzelle neuer Formungen und Gestaltungen jüdischen Menschentums, und das hieße doch, daß es unS um nichts Geringeres geht als um ' LllmenschücheS, gegossen in die Formen unserer jüdischen Besonderheit. Wir glauben zutiefst an diesen Sinn unseres Tuns und er allein ist cs, der uns die heiße Leidenschaft und die gemeinschastbildende Einseitigkeit gibt, welche wir als die wahrhaftigeren Zeichen unseres Bundes erkennen. Nur dieser Glaube an das durch uns uttd zwar nur in unserer wesenhast jüdischen Besonderheit zu verwirNichende Allmenschlichc, diese Aboda ist es, die uns mit geradezu kindlicher Naivität an den Abgründen der Assimilation, des BaalkultuS vorbeitaumeln läßt, die sich gerade unserer besonderen Blau-Weißart jüdischen Lebens erschließen. Und da scheint es mir, als sei der Wille zum Besonderen um deS Allgemeinen willen, zum Relativen als des ausschließlichen Weges zum Absoluten, bei uns im Schwinden, als überschätze man das bisher Geleistete, das doch gemessen an der Aufgabe noch so unendlich Nein ist, als fange mau schon leise an, sich zu begnügen mit dem, was da ist, und als ob der Wille allmählich erlahme. Neues und immer Reineres herauszustellen aus dem Maos der Gestaltlosigkeit, herauszubrechen und sei es unter Opfern. Wir waren und sind gewürdigt. Größtes in unseren Reihen zu erleben, wir dürfen das tiefste Mysterium schauen, das nur an Wendepunkten der Geschichte sich vollendet! wie der Geist neu wird im Menschensohne. Wir erleben es fast greifbar in Menschen jüdischen DoMtums, in unseren Reihen, wir sehen, wie Brüder und Schwestern, die bisher instinktlos suchend vielen Göttern dienten — sie nannten diese Götzen ihre Interessen — durch das Erlebnis des eigenen Volkstums gewandelt werden vom Scheitel bis znr Zehe. Sie werden zu Gestalten ihrer Welt, ein einheitlicher Rhythmus durchpulst, stetig weitere Gebiete erfassend, ihr Dasein, ihre Interessen stürzen von den Piedestalen, auf welche sie dieselben gestellt hatten, herab und verwandeln sich »uS Pseudo-Ganzheiten zu Teilen, die ihr Leben ausschließlich empfangen von der einzigen wahrhaftigen Einheit, die im Bewußtsein des eigenen Volkstums gegeben ist. Denn erst dieses Bewußtsein bindet uns unlöslich, unser Menschsem zur greifbaren Realität gestaltend ans Absolute, an die letzte Einheit. So wird Geist von dieser Einheit ausstrahlend aus einem Instrument des Zchs zu einer wandelnden Macht der Gottheit und ru Lüser Neuwerdung scheint mir überhaupt das wesenhafte 23