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Blau-Weiss-Blätter · 1917-06-01 · 1 (6.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
1 (6.1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der Heimabend Der Lockwitzer Bundestag beschloß die Sammlung von Heimabendberrchten. In Berlin ist diese Arbeit seit einiger Zeit mit Erfolg begonnen worden. Einzelne Berichte, die auf meinen Wunsch an»* führlicher gestaltet wurden, werden hier veröffentlicht. D. Red. ' I. ' * * Lieber Walter! : M ist nicht immer angenehm, das, was man selbst getan hat und das mm vor sich selbst anklogt, verteidigt und aburteilt, noch" einmal vor andern arrfzurolle» in dem Bewußtsein, es als richtig hinstellen zu wollen, weil die Furcht vor der Selbstgefälligkeit das ursprüngliche Sicherherisgesühl stark bedroht. Wenn ich Dir daher hier einen Heimabend ausmale, nicht wie ich mir ihn denke, sondern wie ich ihn gemacht habe, so wirst Du verstehen, daß ich zwar ursprünglich, als ich ihn überlegte, machte und vollendet hatte, au seine Richtigkeit glaubte, daß ,mir aber jetzt dieser objektive Glaube getrübt wird durch das ewige und unvermeMche „ufr* der Erzählung. Trotzdem werde ich den Bericht nur ziemlich subjektiv geben können» denn ich glaube nicht, daß Du sonst mehr als die äußere Anlage erkennen könnt^ Du.mußt mir aber bitte dies „unvermeidliche ich" Nachsehen .und nicht als kleine oder große Eitelkeit auffaffen- - Der Prophet Elijabn war es, den ich zum Mittelpunkt des Heimabends machte. Es lag mir daran, die Jungen — es waren die Jüngeren zwischen LA nnd LS Jahren — mit dieser HanpLgestalt jüdischer Sagen vertraut zu machen. Ich muß von vornherein zugeöen, daß ich so übermäßig viel auch nicht über ihn weiß, aber doch wohl genug, um ans seine Bedeutung wenigstens hinzuweisen. Du weißt es ja, welche Rolle er als Sageugestalt spielt. Ist er doch nichts weniger als der Bore des Maschiach, und. kein Jude würde sich wohl wundern, erschiene er heim Sederabend und tränke das stets für ihn. zurückgestellte Glas Wein. Ist er hoch ein Wundertäter, der gute Geist, der Wünsche erfüllt und lohnt und straft. Ist er doch das Vorbild der Hoheit und Reinheit, und es ist. wohl keine Zufallsemgebung, die Arnold Zweig bestimmte, gerade ihn in seinem „Ritnalmord in Ihr-, garn" als Verkörperung des hohen Judentums gegenüber dem Renegaten Pfefferkorn^ dem Vertreter des niedrigen, austreten zu lasten. Um auf diese Bedeutung Elijahus als Sagengestalt hinzuführen.. las ich den Zungen zunächst eine solche Sage vor. und zwar nahm ich, ohne Rücksicht auf ihren sonstigen Inhalt, die erste, die ich fand; es war dre Geschichte von den drei Brüdern, die im „Born Judas" stcht^. Der Prophet erscheint örer den drei Brüdern im Schlaf, und weil sie ein bestimmtes Gebot hes Vaters erfüllt haben, dürfen sie einen Wunsch äußern, den er ihnen auf wunderbare Werse' erfüllt. An diese Erzählung knüpfte ich erst Betrachtungen, was Elijahn denn Hier zu tun hätte und warum gerade er, und wer er eigentlich sei. So leitete roh zu dem Teil über, auf den ich das Hangtgewicht legte:. Elijahn'Äs geschichtliche Persönlichkeit^ Ich halte die Königszeit, besonders die mittlere und. spatere, für den gewaliigsten Abschnitt unsrer Geschichtet Es spielen da so rrrelementansche Kräfte, wie wir sie kaum mehr wiederfinden — man könnte einzig wohl den Kampf gegen den Hellenismus danebenstellen — dieselben Kräfte, die wir für unfrei Zeit so sehr herbeiwünschen: Der Wille zur nnneren Erneuerung. Während das Nordreich immer^mehr zu Phönizien hinneigte und durch Handel und Verkehr sich „cntjudete" und das politisch schwache Südreich keinen Einstuß ausüben konnte.

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