Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 1 (6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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schämen anzuerkennen, daß Andere auf demselben Wege schon weiter find als wir^ besonders wenn sie, ohne nach rechts und nach links und nach hinten zu schauem marschiert find. Ihr Ziel ist auch unser Ziel. Es iß im höchsten Grade ungerecht und unüberlegt, uns Zion absprechen zu wollen. Auch die besten von uns find ihm nahe. Es ist höchstens ein Zeichen dafür, daß unsere Bewegung noch-üu Aufangsstadium ist, wenn die Kenntnis des Hebräischen noch nicht Gemeingut geworden, ist. Man darf doch nicht vergessen, wie schwer es bei dem Grade der Assimilation» wie fie in Deutschland herrscht, ist, die Erkenntnis, daß man Hebräisch lernen muß» zum Gemeingut Aller zu machen. Indessen .erscheint es mir fast absrrrd, wenn Schalem fordert: „Eine jüdische Jugendbewegung ist undenkbar. die nicht grundsätzlich hebräifiert ist." Gewiß in Palästina nichr! Das hieße das Galnth hinwegleugnen und ein Bild vor Augen zaubern, das selbst dem leidenschaftlichsten Vertreter der Galutharbeit in zu rosigen Farben gemalt erschiene. Jede Forderung, die nicht auf dem Boden praktischer Möglichkeit erwächst, macht den Blau-Weiß zum Wunschgedanken; und doch soll jede Forderung ein Maximum des Möglichen enthalten^ Darum werden wir die Zweite Forderung unseres Programms folgendermaßen formulieren: Wir erblicken in der Erlernung der hebräischen Sprache eines der wesentlichsten Mittel zur Nationalisierung der jüdischen Jugend. V--Das Problem „Derttschjydentum" wird selbstverständlich noch lange einen breiten Raum in unserem Gedankenkreise einnehmen. Ein Prozeß, der Hunderte? von Jahren angedauert hat, ist nichr allein mit dem Willen nack Zion ungeschehen zu machen. Wir dürfen auch nicht vergessen, welche Gefahr zu neuer Assimilation» zu einer tiefen und schmerzvollen, allein schon in unserem Wandern im. deutschen Laude liegt. Wir müssen hier leider schon Konzessionen an unsere Vergangenheit und Gegenwart machen, welche die Gradlinigkeit unseres-Weges zu ändern drohen., lleber alle diese Dinge sehenden Auges hinwegzukommen, fie als Probleme mit uns herumzutragen, und sie im Sinne unseres Zieles einer Lösung cntgegenzuMren, heißt uns auf organischem Wege einer Entwickelung-zu entziehen, in die wir organisch hineingewachsen find. Gerade deshalb muß unsere dritte Forderung heißen^ Wir wollen aus unserem Gefühlsleben jeden fremden Einfluß verbannen, der mrs auf unserem Wege nach Zion hinderlich ist. . * /- Die, letzte Forderung endlich ergibt sich aus unserer Stellung zu unsere» Brüdern in anderen Ländern. Wir müssen es allerdings von uns weisen, sie auf Kosten unserer Kämpfe und. besonderer Geschichte über oder unter uns zu stellen^ Wir wissen, daß die Zugehörigkeit zum Judentum nicht auf Kenntnissen, sonder» auf der Hingabe für seine Zukunft beruht. Das gibt uns das Recht, «ns gleichwertig iii die gesamte jüdische Jugend einzuordnen. Die Vorarbeit leistet jeder La seinem Geburtslande. -Unsere Herzen aber schlagen zusammen! Wer hier oo» Halbheit und Kompromissen spricht, der will uns nickt verstehen. Und wenn nrir auch nicht die Brücken hinter uns abgebrochen haben, so haben wir das bisher deswegen unterlassen, nicht um«nS den Weg zur Rückkehr offen zu kaffen, sondern um. uns den Nachschub zu sichern. ... . ■ - =. Wir haben uns selbst unseren Weg umbaut und die Grenzen weit gennFgesetzt, um innerhalb von ihnen kämpfend, fortschreiten zu können. Denn zum Wesen der Bewegung gehört der geistige Wettstreit, der, wie Scholem sagt, ihr ihre Insignien verleiht. . Ganzheit, Geist und Große! - Berlin-Heidelberg Han s Oppenheim 12