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Blau-Weiss-Blätter · 1917-06-01 · 1 (6.1917) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
1 (6.1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Unser Wille zum Wandern beruht auf zwei Tendenzen, die beide Grundlage» der zionistischen Lebensauffassung find: Der Wille zur jüdischen Gemeinschaft soll wachsen Md er kann nur wachsen, wenn das Judentum gesundere, natürliche Grund-. lagen erhält. Mit Hugo Bergmann zu sprechen, zionistisch sein. d. h. eingeordnet sein in den Willen der Gemeinschaft. Nun wird uns das ja alles zugegeben, aber man sagt, alle diese Anschau» mrgen seien nationaljüdisch, seien-vielleicht eine notwendige Grundlage auch für den Zionismus, aber an sich nicht zionistisch. Ja. es gibt Leute, die diese national* jüdische Erneuerung überall im deutschen Judentum wachsen sehen, in der Vertiefung in Herrmann Eohens Ideen, im Zusammenschluß der Orthodoxie, in der Ausprägung jüdisch-liberalen Ideengehalts. Gerade, wenn wir das zugeben, könne» wir unS eben des Unterschiedes unserer Arbeit von jener allgemein jüdischen bewujß werden. ^Denrr alle jene Bestrebungen sind im letzten Grunde unproduktiv, sie kaffe» zwar auf ein allgemeines Erwachen jüdischen Selbstbewußtseins schließen, führen jedoch nicht weiter, sondern enden notwendig in der jüdischen Phrase. Auch unter yns kann eine solche Anschauung nur ju einem unklaren Dämmerzustand rühren der sich vor der harten Notwendigkeit der Tatsachen verschließt. Josef Markts schildert uns in bewegten Worten, wie die junge jüdische Pflanze mit Sorgfalt und Zartheit behütet werden muß, auf daß der rauhe Wind dxr Politik sie nicht zerstöre. . O, es läßt sich wundervoll träumen in diesem Urwald national jüdischer Empfindungen. Kern Lufthauch stört die ihres Seins unbewußte Seele, von Bam» zn Baum rankt sich das Gezweig dunkler alljüdischer Stimmungen —, aber herauf aus diesem dornigen Dickicht, ins jüdische Leben führt bislang rmr ein Weg, ich kenne keinen andern, der Zionismus, der keine Partei ist. sondern eine Bewegung, eine Lebensanschauung. . Markus betont, daß wir ja doch Wert darauf legen, den größten und beste» Teil, der gesamten jüdisches Jugend heranzuziehen. Ja. aber wir haben doch auch, als Zionisten allgemein jüdische Empfind« ugen und Interessen. Wir haben hoch auch und gerade als. Zionisten das begreifliche Streben, daß die Kinder aller Juden körperlich und geistig gesunde Menschen werden und in die Arbeit an und Iit der jüdischen Gemeinschaft hineinwachsen. & Vielleicht handelt es sich hier nur um dite^ÄonifJf verschiedenes Auffassung zwischen Markus und mir, besonders aber wendet fr sich gegen die Keikarbeit für das K. I. V. innerhalb des Blau-Weiß. Keilarbeit ist gewiß, wie sie heute betrieben wird und betrieben werden muß, — ich will hier das KI. V nicht kritifieren — etwas überaus unschönes. Es . ist wirklich nicht sehr erfreulich, wenn auf unsere jungen Blau-Weiß-Primaner ein.Hanfe von studentischen Verbindungen losgelassen wird, die ihn keilen wollen/Ich glaube nicht, daß ein Blan-Weißer imstande ist, in dieser Weise für das. ft. I. V. zu werden. Aber wiederum: ich kenne keinen besseren Weg für den Blan-Weißen Primaner , von heute als den des K. I. B. Auch wenn uns die Form des heutigen K. I. V.— Markus spricht verächtlich von 'Festen und Saufen — nicht gefallen, so wollen wir doch nicht vergessen, daß sogar das-Saufen, d. h. der Anschluß an die akademischen Formen,, wie sie. zur Zeitz Scheffels und Baumbach von Poesie verklärt waren, auch einmal den Weg aus dem Ghetto zur freudigen Mannhaftigkeit bedeutet haben, so seltsam uns das heute. Vorkommen mag. Das K. I. V. gibt in seinem Briefe an uns selbst zu, daß neue. Zeiten neuer, Formen bedürfen, aber heute doch das ft. I. D., sei es wie es fcv die .einzige akademische Vertretung eines älteren selbstbewußten Judentums. Unsere 8

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