Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 1 (6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufgabe näher liegt, unsere Stellung. zu Kunst, Dichtung und Musik. Gewißgeben wir. zu daß die Pflege künstlerischen Genusses unsere. Sinne verfeinert, unsere Ge» fühle adelt. Aber welche entsetzliche Mindenmg künstlerischer Hingabe läge darir^ wem: wir etwa beim Hören einer Oper, bei Betrachtung eines Kunstwerks, beim. Lesen eines Dichterwerkes uns bewußt wären, daß der Genuß, eine Verfeinerung unseres inneren Menschen zur Folge haben muß. Genau so steht esmit dem ®e* uuß der Natur beim Wandern. Ein Führer, der das Wandern nur als ei» MM. zmn vertieften Jrrdentum empfände, der nichts von der Freude des Wandern? hingerissen wäre, taugt uns nicht, zum Führer. Und ichglaube allerdings, daß die Blau-Weiß-Blätter in der letzten Zeit viel zu. stark diesen Standpunkt vertrete^ der. in dem Wculdern nur ein menschliches Mittel zu einem jüdischen Zweck steht. Es hat ganze Hefte, die sogar nur das Ziel der jüdischen Gemeinschaft behandelten^ und das Mittel überhaupt vernachlässigten. Eine Wauderzeitung aber, die nur die jMfchen Gememschaftswerte pflegen wollte, ist kein Ausdruck unserer Bewegung^ Im Gegenteil müssen unsere Führer imstande sein, sich rein und unbefangen und im ki'mstlerischen menschlichen Genuß der Natur und all' den Freuden hmzugebeyE die das Wandern als solche in uns erweckt. ' . .. Zu man könnte mit mehr Recht geradezu den Spieß nmkehren und die eüh wenig paradox klingende Lösung Vorschlägen: wir pflegen die jüdische Gemeinschaft, um wandern zu können. Klarer ausgedrückt, wir brauchen die jüdische Gemein^ schast, weil nur sie uns befähigt, frei von aller Befangenheit reinere, bessere, wertvollere Menscher: zu werderr, weil wir die Empfindung haben, nur in ihr unsere menschlichen Werte ungestört von allen Hemmungen entfalten zu körmen. Ganz, wahr ist aber auch das nicht. Wirschen, es ist kaum möglich, in einwandfreier Weise die beiden Ziele, henen wir zustreben, in Beziehung zueinander zu setzen. Sie fallen'theoretisch aus-, einander, gerade weil der Blau-Weiß ein Ineinander.beider Ziele zur Voraussetzung, hat. Das gemeinsame Wandern mit. als seinen menschlichen Werten, der Gesundung der Sinne, des Gefühls und der Willenskräfte stellt vielmehr einfach eine. Form unseres Judentums dar: das Wandern verhält sich zmn Zudentnm wieForm zum Inhalt. Es gleicht den andern religiösen öder den neuerstandeneu nationalen. Formen. Wir brauchen uns nicht darüber den Kopf zu zerbrechen, daß diese Form ja nicht eigentlich jüdisch ist. Das gilt von vielen, wenn nicht von allen Formen. Sie wird dadurch jüdische Form, daß" wir als Juden sie aufnehmen. Weil der Blau-Weiß das ist, muß er als Selbstzweck empfunden werden, wenn er wirklich wertvoll für die Persönlichkeit und Gemeinschaft werden soll, genau wie die religi-. öseu Formen. Genau wie die Freude am Sederabend nicht etwh daher stammt, daß wir uns sagen, das und das tun wir, um. die Menschheit oder uns sittlich zu heben, sondern auf dem unmittelbaren Zauber der religiösen Form beruht. Blau? Weiß ist eben ein Stück Judentum, ohne daß., wir.lange daran herumzugrübelu hraucheu. . Nun aber, ist das Wandern des Blau-Weiß eigentlich eine allgemein jüdische oder eine zionistische Form^ Wir müssen wrs darüber klar werden, nachdem Markus "in seinem Briefe seme Stellung so entschieden dargelegt hat , Unsere Verknüpfung mit dem Zionismus ist von zwei Seiten, aus sicher. Die. Gründung des Blau-Weiß ist von Zionisten bei Gelegenheit des PosenerDele^ gierteutages iu die Wege geleitet worden und . unsere Führer sind alle entweder auch äußerlich Zionisten oder zum mindesten von zionistischen Gedanken erfüllt.