Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 1 (6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mer wenn ich hiervon die Anwendung auf unser Wandern machen soll, so gerate Ä doch in eine gewisse Verlegenheit. Mit dieser cm sich richtigen nnd wertvollen Auffassung kommen wir für unsere Theorie auch nicht weiter. Ich wußte nicht, wie ich etwamem Landschaftsempfinden in eine tiefere Verbindung mit dem jüdischen in mir bringen könnte oder sollte. ES gibt ja Leute, die behaupten, daß das deutsche Landschaftsemvfiuden etwas spezifisch Deutsches sei, nur der Deutsche wandere eigentlichdarin liegt gewiß etwas Richtiges. Die Wanderhewegung ist keine europäische, sondern gerade eine deutsche Erscheinung, der Wandervogel ist weit von dem Boy-Scout entfernt. Auch im Alpensport ist der Anteil der Deutschen unver- HAtmsmäßig groß. Aber dann find wir eben schon stark von der deutschen Umgebung beeinflußt. Einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Blau - Weiß und dem Wandervogel vermag ich gerade in der Art des Wanderns nicht zu entdecken. ZG. kenne ja eigentlich mir die Breslauer, und könnte zunächst zugeben, daß es da «ne Art jüdischen Landschaftsempfindens geben mag. Während die deutsche Jugend ihre Austnerksamkeit auf Einzelheiten an Steinen. Pflanzen und Tieren zu richten gewohnt find, vor den Ameisenhaufen und Ameisenlöwen sich immer wieder lange aufhalten, mag die Empfindung unserer jüdischen Jungen mehr, und in einem fnV Heren Alter, auf das Allgemeine der Landschaft, ästhetisch gerichtet sein. Es gibt ja in Wahrheit auch unter den nichtjüdischen 'Jungen solche Verächter des Kleiulrbens, aber selbst wenn ich das beiseite lasse, sollen wir'wirklich dieses Stück Judentum besonders pflegen? Es kann für mir im Gegenteil keine Frage feix daß wir unsere Jungen gerade zum Sehen und Beobachten von Einzelheiten zu etziehen haben. Die ghettohaste Naturferne, die in jenem Mangel an Beobachtuugsfreude zum Ausdruck kommt, soll gerade durch unser Wandern überwunden werden. Ein anderes Verhältnis scheint zuweilen in den Blau-Weiß-Blättern vorzulkegen, eine Auffassung, die man auch in einzelnen Bünden, wie es scheint, der Leitung zum Vorwurf macht: Beide Ziele verhalten sich wie ein Mittel zum Zweck, wir wandern zu dem Zwecke, das jüdische Gemeinschaftsgefühl zu vertiefen, wir wandern, um die Inden tüchtig und kräftig zrHiachen,Unit wir in ihnen spater wertvolle Menschen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft haben. Wenn Karl Glaser vorhin gesagt hat, daß unser ganzer Blau - Weiß ein Stück politischer Bewegung fei, so ist eben danachHas Wandern ein Mittel zu dem Zweck, wertvolle Mitglieder einer poMschen Gemeinschaft zu werden. Gewiß ist auch das zum Teil richtig, die jüdische Jugend soll wandern, damit der Einzelne menschlich gefördert, ein wertvolleres Mitglied unserer Gemeinschaft werde, damit im gemeinsamen Wandern jüdische Gemeinschaftsgefühle erwachen. Dennoch aber ist diese Auffassung, wenn wir sie in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen wollen, gefährlich und völlig unzureichend, ob ich nun an den einzelnen, oder an das Volkstum denke. Es gibt nämlich Mittel/ gute.Mittel zu einem guten Zweck, die aufhören geeignete Mittel zu werden, sobald wir uns ihrer als Mittel bewußt werden. Ich möchte ein beliebiges Beispiel mrführen. Als zn Beginn dieses Krieges in ganz Deutschland ein elementarer Englandhaß ausbrach, war dieses Gefühl gewiß schön und wertvoll, solange es ein Ausdruck der in ihren tiefsten Instinkten verletzten deutschen Volksseele blieb und auch wohl geeignet, England gegenüber jene Stimmung zu entfesseln, bk zu. einer energischen Kriegsführung nötig war. Aber wie schal und ekelhaft wurde der Hvö, Lls betriebsame Zeitungsredakteure in bewußter Erkenntnis, daß Englandhaß "Hur Bekämpfung Englands nötig oder erwünscht sei, nun eben jenes Gefühl aus -politischen Gründen zn steigern suchten. Oder ein and? ckn spiel, das unserer