Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 1 (6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dentische Korporation einzufügen, ich Ließ, eine solche, scheinbare Einengung meiner Persönlichkei weit von mir. Da aber die meisten von Euch das getan haben, werdet Ihr mich auch heute eher verstehen können: Erziehung heißt Tradition. Durch den Blau-Weiß wollen wir die jüdische Jugend erziehen und das ist die Frage, die wir uns stellen muffen: Kann die Tradition des Blau-Weiß er-, ziehen? Dazu wollen wir uns klar werden: zu welchem Ziel will sie erziehen') Welches find die Mittels die zu diesem Ziele führen? 'Gleich die Zielbestimmung führt uns auf ein schwieriges Problem,dessen ich methodisch theoretisch nicht ganz Herr geworden zu sein bekenne; doch mein Thema; heißt „Probleme" und ich brauche keine fertige Losung zu geben. . Entstanden ist der Blau-Weiß bestimmt aus dem Gefühl heraus, daß dem Juden der Gegenwart zwei seelische Schäden anhasten: Zweckbestimmtheit und überwiegendes geistig theoretisches Interesse. Beides soll vornehmlich durch mrserWandern überwunden, werden. Gegenüber der jüdischen Zweckbestimmtheit bildet ein _ wundervolles Gegengewicht die Ungebundenheit des Manderns, die sich in freier Lust der Schönheit der Natur ergibt; die in Nmherstreifen in Wald und Feld reine Jugendfreude erzielt. Der Hang zu reiner Theorie kann im Wandern gemildert werden, das notwendig das Gefühlsmäßige und Willensmaßrge in den junge» Menschen entwickelt. Es erzieht die Sinne zu geschärftem Sehen und Hore^ es ergreift das Gefühl in der Schönheit der Natur, es entwickelt die freiwillige Unterordnung unter die Forderungen der Gemeinschaft und erzwingt lebendige Aktivität gegenüber dem Zwang einer augenblicklichen Lage. So dient das Wandern der Regeneration des einzelnen Juden. Aber niemand von uns kann bestreiten, daß der Blau - Weiß bestimmt daneben, neben dem Wandern, neben dem gefühls- und willensmäßigen Wandern, noch ein zweites Ziel hat, den Willen zn einer vertieften jüdischen Gemeinschaft zu erzeugen. Man kann wohl kurz diese beiden Ziele als menschliche und jüdische Erziehung gegenüberstellen. Und das schwierige, in irgend einer Form unter uns oft diskutierte Problem lautet: Ja welcher Beziehung stehen diese beiden Ziele, die menschliche und die jüdische Erziehung, das Wanderziel und der Wille zu einer vertieften jüdischen Gemeinschaft zn einander? Ihr habt in der Generaldebatte von Otto Simon gehört, daß wir das Ziel der jüdischen Gemeinschaft ruhig in der Praxis unseres Wanderns und unseres Blau-Weiß-Lebens hintanstellen tonnen: das jüdische Ziel ergebe sich von selbst, wenn wir nur ein rechtes, natürliches Wandern pflegen. Und ähnlich schreibt Josef Markus in seinem Brief an den Blau-Weiß-Tag, daß ein an Geist und Wille gesunder Junge von selbst zu einer Lieferen Auffassung der Zugehörigkeit zum Judentume komme, und ohne es recht zu wissen, Bolljude werde. Mt anderen Worten: Die Männer, die uns empfehlen, die Arbeit am Wandern in den Vordergrund zu stellen, ^wollen nicht unmittelbar das jüdische Gemeinschaftsgefühl wecken, sondern den einzelnen Juden erhöhen. Ganz im Einklang damit steht, wenn die Breslauer in?T?r'r Arbeit jenen Grundsatz der persönlichen Auslese betonen, der bi-n ihren Geg - als „Elite-Standpunkt" bezeichnet wird. Auch sie erziehen damli im wesentlichen den Einzelnen. Eine tiefere Verbindung des menschlichen und jüdischen Zieles erstreben diejenigen, die in all unserer Arbeit eine Verschlingung beider Ziele predigen. Noch jüngst sprach es Hugo Bergmann im „Juden" aus: Alles menschliche mutz bei uns heimisch werden, alles jüdische durchpulst sein vom Blute gelebten Menschentums. 4