Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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den Biographen Herzls niemals bemerkt wird, ist der Umstand, dass Herzl die allgemeine Wehrpflicht im Zionismus eingeführt hat Bis dahin war man ein braver Mann, ob man für Zion, sein Volk, für die jüdische Ehre und Freiheit gedient hat oder nicht. Aber Herzl forderte von jedem Juden Dienstpflicht für die Erlösung des Volkes. Dass es die zersprengte Golusmasse nicht verstand und befolgte, ist eher verständlich als die traurige Tatsache, dass die jüdische Schriftstellergarde um Herzl herum nicht ihre Soldatenpflicht begriffen und erfüllt hat. Warum Herzl und nicht Stefan Zweig? Warum Nordau und nicht Wassermann? Die Fahne war entfaltet. Herzls Armee war in einigen Jahren aus dem Boden gestampft. Das Elend, die Schande des Volkes wuchs von Jahr zu Jahr Jedermann sonst in der Welt ist verpflichtet für die Ehre und die Freiheit seines Volksstammes sein Leben, seinen Beruf einzusetzen und in Reih und Glied zu kämpfen. In solcher verhängnisschweren Zeit ergeht an jeden die Frage: Wo hast du gedient? Wo hat Wassermann, Zweig, Werfel, Feuchtwanger gedient in der Zeit der bittern Not ihres Stammes? Herzl, Nordau, Zangwill sind ihnen vorausgestürmt, warum haben sie nicht ihre Pflicht begriffen ihnen nachzustürmen? Stefan Zweig gesteht sogar, dass er — Herzl zuliebe — an dem Zionismus teilgenommen hatte, als er aber sah, wie Herzl, von seiner zionistischen Umgebung, von jungen Bürschchen schlecht behandelt wurde, so — nun? eilte er ihm zu Hilfe? Nein; so liess er ihn in Stich! Wie anders hätte sich das Schicksal des jüdischen Volkes, Palästinas gestaltet, wenn ein Wassermann, Zweig, Werfel, Feuchtwanger ihrer jüdischen Militärpflicht Genüge geleistet hätten, wäre da die zionistische Organisation, die Freiheitsarmee Herzls, so verlottert und unbrauchbar geworden, wie sie ist! Im Jahre 1897, als doch noch ein heiterer Himmel sich über das Judentum spannte, schreibt Herzl die „Menora”. Da geht ihm die Not seines Volkes zu Herzen „bis seine Seele eine einzige blutende Wunde wurde”. Und ihre, Zweigs, Werfels, Feuchtwangers Seele blutet noch heute nicht? Sie haben Ehre und Erfolg angestrebt, während ihr Volk in Schande und Unglück versinkt! Ihr eigenes Volk frägt sie auch garnicht: Wo hast du gedient im heiligen, bittersten Kampfe deines Volkes? Ja, es verehrt sie, feiert sie, kauft sie, mehr als die Werke Herzl, Nordaus, Zangwills! Man ist tief gerührt davon, wenn sie sich einmal herablassen, um ihre (eigentlich ganz unmassgebliche) Meinung über das Judentum zu äussern. Am gescheitesten war es, den „Aufbau” Palästinas zu rühmen. Gewöhnlich war ihr Urteil falsch und verkehrt, uns gilt ja aber das falsche, verkehrte Urteil eines Mächtigen stets mehr, als das wahre Urteil des Kleineren. Emil Ludwig patzt einigemal mit grobem Unverständnis in die Judenfrage drein. Nach dem Hebroner Pogrom im Jahre 1929, teilt er mit, dass er Zutritt in den engsten vertraulichsten Kreis der Untersuchungskommission hatte und nun wusste, dass sich die Lage geklärt habe und dass sich Araber und Juden nun besser verstehen werden. Dieses Urteil war wohl falsch, aber —- populär. Er empfiehlt auch den „jüdischen Weltkongress”, ohne eine blasse Ahnung von dessen Bedeutung und von dessen Führern zu haben. Der gefährlichste Dilletant der Judenfrage ist Einstein, der seine so schwerwiegende Unterschrift mit einer für einen Mann der exakten Wissenschaft erstaunlichen Leichtfertigkeit unter Urteilen über das Judentum, das er leider nicht versteht, setzt. Was er von und über Herzl sagt, ist das Gegenteil von dem, was Herzl wollte. Freilich konnte das Martyrium sondergleichen, welches dieser erhabene Dreibund, von ihrem eigenen Volke, von ihrer eigenen Partei zu erdulden gehabt hat, abschreckend wirken am kleinere Charaktere als sie waren, auf gleich grosse musste es anziehend wirken. Jene haben den goldenen Dichterkranz der Gloriole des Märtyrers vorgezogen. Sie gemessen Olom base (das diesseitige Leben) m vollen Zügen, aber ihr Name wird nicht eingeflochten sein im Bunde der Gerechten ihres Volkes, in der Zeit der bittersten Not ihres Volkes haben sie ihrer eigenen Ehre und Wohlfahrt gedient! Das Urteil, das ihr eigenes Geburtsland über sie fällt mag ungerecht sein. Gott aber ist stets gerecht! Die „Teilung Palästinas”. Die Wahrheit ist, dass die Araber zwei Drittel Palästinas schon in den Händen haben und das andere Dritte! um keinen Preis hergeben wollen. In der letzten Ausgabe schrieben wir: „Was ist die erste Wirkung dieses Planes, der nicht zur Ausführung kommen kann? Die gesteigerte Gereiztheit der Araber!” Ln der Tat hat sich diese Gereiztheit in neuen Terrorakten kundgegeben. Es fallen 39