Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2708078-2708092-2708095--559-2708684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dr. Bernat Munkäcsi — Dr. Samuel Glücksthal. Zwei hervorragende Repräsentanten der liberalen Aera, der Gelehrte, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Jurist Dr. Samuel Glücksthal, Mitglied des Oberhauses sind vom Dasein ins ungarisch-jüdische Pantheon verzogen. Ihr Tod war wieder die Gelegenheit die starke Kohäsion vom „jüdischen und nichtjüdischen Ungarn” zu manifestieren. Die alte Generation blieb noch ein Ganzes, aber das aufsteigende Geschlecht ist „nicht mehr wie gestern und ehegestern”. Es ist ein Abschied, nicht von zwei grossen Männern, sondern von der Epoche des Liberalismus. Ueber die Bedeutung Bernat Munkäcsis berichtet ja jede Encyclopädie. Er war der Schüler Vämbery’s und hat dessen Inventar noch bereichert. Er hat Unvergängliches auf dem Gebiete der Ural-Altaj vergleichenden Sprachwissenschaft geleistet, sowie über den Ursprung der magyarischen Sprache, die Urgeschichte der Ungarn und deren Wanderungen wertvolle Forschungen veröffentlicht. Er reiste im Aufträge der ungarischen Akademie in Asien. Er entfaltete eine sehr fruchtbare wissenschaftliche schriftstellerische Tätigkeit, dabei versah er das Amt des Schulinspektors der Pester isr. Gemeindeschule. An Jahren und Erfolgen reich verschied er im 78. Lebensjahre. Sein Sohn der Oberanwalt der Gemeinde, Dr. Ernö Munkäcsi ist als Kunstschriftsteller bestens bekannt und seine Tochter, Frau Oberrabbiner Dr. Winkler hat unter dem Namen Noemi schöne Dichtungen veröffentlicht. Im prachtvollen Arkadenhofe vor dem jüdischen Fleldentempel versammelten sich die Besten des Budapester Judentumes und die Spitzen der Behörden, um Dr. Samuel Glücksthal. (S. Judaica Nr. 3—4.) die Trauerhandlung ist von edlem Pathos getragen. Die Meister der Rede und des Sanges leisten klassisches. Lautsprecher tragen Wort und Klang weithin. Oberrabbiner Simon Hevesi, Landespräsident Hofrat Samu Stern, der gewesene Reichstagsabgeordnete Geza Desi, die Gottessänger Lineczky und Abrahamsohn. Die Herbstsonne vergoldet das prachtvoll umrahmte Bild. Es scheidet die Sonne der glücklichen Aera, in welcher der Jüngling aus Turoc Szt. Märton zu den höchsten Ehren aufsteigen konnte. Ch. L. Hartstein. Im Alter von 79 Jahren verstarb in Budapest nach langem Leiden der Vizepräses der orth. isr. Landeskanzlei. Nachdem er eine führende Rolle in der Mukacevoer Gemeinde in ne gehabt hat, wurde er auf Wunsch des Mukacevoer Rabbis Kanzleirat der Landeskanzlei und später der stellvertretende Präses. In den letzten Jahren seiner Krankheit, ist er von Kanzleirat Dr. Imre Reiner vertreten worden. Das Leichenbegängnis geschah auf den Wunsch des Verstorbenen in aller Stille. Reflektor Herzl, Nordau, Zangwill — Werfel, Zweig, Wassermann. Jedes Volk von gesundem nationalem Geiste erkennt den im historischen Momente erstehenden Führer und Befreier. Es sammeln sich um ihn in stetig ansteigender Menge die Besten der Nation, er wird und bleibt der Kristallisationspunkt der nationalen Freiheit und Grösse. Wie anders, wie traurig anders, war es im jüdischen Freiheitskampfe des Zionismus! Die Kulturgeschichte hat wenig Beispiele eines solch idealen Freundschaftsbundes und geistiger Waffenbrüderschaft, wie Herzl und Nordau. Die Geschichte der Freiheitskämpfe aller Völker weist w^enig solche hinreissend schöne und edle Apostrophen auf, wie sie dieses wundersame Freundschaftspaar im psychologischen Momente der grossen, tragischen Wende des Schicksals des Judentums mit prophetischer Wucht an ihr Volk gerichtet haben. Das Volk des harten Nackens lief wie immer hinter den falschen Propheten einher. Hier blieb der natürliche Kristallisationsprozess anderer gesunder Völker aus. Herzl, Nordau, Zangwill haben ihrem Volke den höchsten Tribut gezollt, sie haben das grösste Opfer gebracht — sich selbst. Ihr Vorbild musste beispielgebend sein. Was von 38