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Judaica · 1937-11-01 · 25-26 (November 1937) · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
25-26 (November 1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 37 (sequence 39)
Language
German
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kaltklug jede Situation, jede Chance für seinen eigenen Vorteil zu benützen gewillt gewesen wäre. Er hat an mehreren Herzl-Kongressen mitgewirkt. Der junge, gebildete, geistsprühende Seelsorger eroberte sich alle Herzen, aber keine Position. Er führt eine glänzende Feder, ohne glänzende Honorare, immer im Dienste der Idee, nie zum eigenen Vorteile. In der „Welt” schreibt er geistsprühende Berichte aus Ungarn unter ,,Zioni”. Unter seinen Aufsätzen in der „Ungarl. Jüdischen Zeitung” sind seine Skizzen vom Hamburger Zionistenkongresse von bleibender Bedeutung. Er schrieb auch hie und da in grossen Tageszeitungen. Am Presburger ersten Misrachi-Weltkongresse figuriert er unter den Rednern. Im Jahre 1910 geht er auf eine Propagandareise für den Misrachi nach Amerika. Im Kriege war er auch für eine ähnliche Mission ausersehen, die aber unterblieben ist. Ich sah ihn noch einmal auf der Höhe beim Hamburger Zionistenkongresse. Er hat stets Ungarn in der Permanenzkommission vertreten. Hugo Mainz, der Hamburger jüdische Patrizier, dessen Frau die Tochter des Mainzer Lehmann war, lud die Führer des Misrachi zum Freitagsabendmahle, Reines, Ahron Markus, Abrahamsohn, Rabbi Fischmann. Abrahamsohn sprühte da Geist und Feuer. Dann aber erfasste auch diese edle Bewegung das Fatum des Galuth, der Kampf der Zwerge gegen die Riesen und ihr Sieg, der Geschäftszionismus verdrängt den Altarzionismus. Da erblich auch sein Stern, wie das Sternbild Nordau, Zangwill, Marmorek. . . Eine kleine Gemeinde, deren Name mit dem seinen verewigt werden wird, wählt ihn zum Oberrabbiner, er versieht gleichzeitig das Sekretariat der Pester Chewra Kadisa. Er, der das aufspriessende neue Leben preisen wollte, feierte nun die Toten und die Vergangenheit. So sah man ihn unerkannt wandeln durch die Budapester Strassen, das immerwährende stille Lächeln des Alleswissenden auf den Lippen. Er wusste auch langeher, dass seine Tage gezählt waren. Die Leichenfeier fand am Budapester orth. Friedhofe statt, von wo seine sterblichen Ueberreste nach Särbogärd geführt worden sind. Er hatte sich jede Leichenrede verbeten. Aber der Präses der Chewra Dr. Isidor Friedmann sprach nur einfache Worte herzlichen Abschieds und erinnerte daran, dass der Bau des schönen Altersheimes der Chewra ein Verdienst des Verewigten gewesen. Auch in Särbogärd wurden am Friedhofe keine Trauerreden gehalten. Erst nach Verlauf der Trauer tage kam Rabbiner M. Fischer aus Budapest, um in der Synagoge zu Särbogärd über den grossen Verlust zu klagen. Er sprach nicht von der Kanzel, er fühlte sich nicht würdig, auf dem Platze Abrahamsohns zu stehen. Rabbi Fischer ermahnte die Gemeinde, der Familie ihres grossen Rabbiners Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. So kündet der schöne Bau des Altersheimes von der Tätigkeit eines grossen Führers in Israel als Schriftführer einer Chewra Kadisa, er, der zur historischen Garde der jüdischen Patrioten gehörte, die für Jisroel Saba, für den „Greisen Israel” ein Heim bauen wollte: die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte”. Oberrabbiner Samuel Schlesinger-Zlate Moravce. Allzufrüh, im Alter von 57 Jahren ist der gelehrte Rabbi von Zlate Moravce (Aranyosmaröt) seinem Wirkungskreis entrissen worden. Er war der Sohn des Rajkaer Rabbiners und Spross der alten Gelehrten- und Führer-Familie Jafe-Schlesinger, deren Genealogie er in dem Werke „Mile d’Abot” veröffentlicht hat. Er war Schüler der Pressburger Jeschiba. Sein Sohn ist der Eisenstädter Raw Dr. Schlesinger. 37

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