Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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sind oder seyn könen und weil die hiesige permanente Israelitengemeinde die Competens über die ihr eingeräumten Befugnisse aufrecht zu erhalten schuldig ist. In der Erwartung, dass die Löbl: Schlosshauptmanns-Herrschafi die Intregitaet Ihrer zustehenden Rechte für die jetzige als für die nachfolgende Senioritats-Herrschaft als unsere in Usus stehenden Macht und Rechtsmittel beschützen und bewahren wird Verharren mit grösster Hochachtung Einer Löbl: Amtsitzung ganz gehorsamste Vorsteher der Pressburger Schlosshauptmanns- Herrschafts Israelitengemeinde. Pressburg de 19 July 1844. Wir finden hier zum ersten Male ein Dokument, das unsere Annahme von einem ununterbrochenen Fortbestände der Pressburger Gemeinde, selbst nach der Ausweisung aus der Stadt nach der katastrophalen Schlacht bei Mohäcs 1526 bestätigt, während man von zünftigen Historikern die Behauptung liest, dass die von der Königin-Witwe Maria vertriebenen Juden erst im Jahre 1696 oder 1714 sich wieder in Pressburg auf dem ausserhalb der Stadtmauer befindlichen Schlossgrunde niederlassen durften. Da in dem vorliegenden Dokumente anno 1844 von nahezu dreihunderjährigen ungestört genossenen Privilegien die Rede ist, kann mit Sicherheit darauf geschlossen werden, dass schon im Jahre 1570 ein geregeltes, privilegiertes jüdisches Gemeindewesen am Schlossgrundc vorhanden war. Es mag hier nochmals auf die bei einer patriotischen Feier gehaltene Rede des Oberrabbiner Schöbet Sofer s. A. im Jahre 1874 hingewiesen werden (Siehe Judaica Nr. 5 6, Seite 26), bei welcher der Oberabbiner von der seit drei Jahrhunderten bestehenden Jeschiba gesprochen hat. Beide Daten decken sich ganz genau. Um diese Zeit wird der Grundherr Graf Salm ja angewiesen, die Juden zu vertreiben, ein grausames Gesetz, das der Graf zuerst garnicht und als weiter dazu gedrängt wird offenbar nur zum Scheine durchführt und dem Rabbiner „einen sonderlichen Feind unseres Heilandes” gestattet zu verbleiben. Da aber der Rabbiner nicht ohne eine kleine Gemeinde von zumindest zehn Andächtigen bleiben darf, wird wohl noch eine kleine Kolonie verblieben sein, die bald wieder angewachsen sein durfte. Das unschätzbare Gemeindearchiv ist von wiederholten Bränden heimgesucht worden, zuletzt im Jahre 1811. Im Jahre 1793 v/urde ein grosser Teil des Gemeindearchives vernichtet. Der Pressburger Schriftsteller Adolf Dux erzählt, dass ihm in der Jugend von einem vor alten Zeiten regierenden Pressburger Vorsteher gefabelt wurde, der in ungarischer Gala mit einem Säbel dahergegangen sei und von welchem sehr viel in dem Archive zu lesen gewesen wäre, das vor etwa hundert Jahren bei einem grossen Brande ein Raub der Flammen geworden wäre. Da Dux im Jahre 1822 geboren wurde, lässt seine Mitteilung auf einen grossen Archivbrand 27