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Judaica · 1937-11-01 · 25-26 (November 1937) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
25-26 (November 1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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Moritz u. Frau, Adolf und Betti, mein Schwiegersohn Popper aus Güns, meine Tochter Juli aus München hier. Diesen Tag habe ich mit meiner Frau im Kreise der Angehörigen recht vergnügt zugebracht und haben mich meine Angehörigen nebst den üblichen Wünschen auch mit sehr hübschen Geschenken überrascht ... So hat es mich besonders gefreut, dass mir Herr Moritz Lunzer, der bei mir über io Jahre im Hause war, mit einem prachtvollen Stock mit Silberknopf überrascht hat. Ich habe als Andenken an diesen Tag einen Stammbaum anfertigen lassen, worauf meine sämtlichen Kinder in hebräischer und deutscher Schrift verzeichnet sind.1) Einige Wochen darauf fühlte meine Frau einen Schmerz im rechten Fusse ... es war Ischias .. . die Aerzte haben ihr Posten als Kurort angeraten. Den 13. Juni sind wir nach Posten gefahren, ich blieb bei ihr bis sie mit der Kur fertig war. Wir haben im selben Hause mit Herrn und Frau Geyduschek gewohnt, die uns unentgeltlich verköstigt haben. Mich hat die Kur 200 fl. gekostet, aber meiner Frau hat die Kur gut getan. .Im September wurde hier ein antisemitischer Klub gegründet und eine Sammlung zu diesem Zweck veranstaltet, welche in wenigen Tagen die Summe von 680 fl. ergeben hat .... die Tisza-Eszlärer Affaire hat den Hauptstoff zur Hetzerei gegeben ... Es war am 26. September, den ersten Abend vor Sukkot. als hier einige Mitglieder des Vereines ein Ständchen mit einer Musikkapelle brachten und sich wie bei solchen Anlässen viel Pöbel ansammelte. Nach den Ständchen schrie der Pöbel: Eljen Istoczy, Eljen Önody, die ganze Ansammlung wälzte sich zum Komitatsihause, wo sie sämtliche Fenster vis-ä-vis einschlugen. Die Ausschreitung hat 1V*? Stunden gedauert und ist es dann der Polizei gelungen, mit einigen Privatpersonen die Ruhe herzustellen. Jedoch am 27. September hat die Sache vom Neuen und viel stärker begonnen .... trotzdem sich der Stadthauptmann und Stadtkommissäre eingefunden hatten. Der Pöbel begann wieder am Komitatshausplatz, bei Frankl die Fenster einzuschlagen und setzte diese durch die ganzen Judengasse bis zur „Sonne” fort, auch auf der Gaisgasse, Nonnenbahn, bei Tedesco und auf dem Fruchtplatz bei mehreren Juden. Der Stadthauptmann sah sich genötigt, Militär zu requirieren, die die ganze Nacht Patrouillen durch die Strassen sandten, bis sie die Ruhe herstellten. Da sich die Unruhen, trotz des Militärs wiederholten, wurden viel Gassen abgesperrt, besonders die Judengasse, so ist der Pöbel in die Vorstädte gedrungen und hat in der Gaisgasse einem Spezereihändler das Geschäft aufgebrochen") und grossen Schaden angerichtet, auch im Blumental haben sie einem gewissen Fleischmann sein Schnittwarengeschäft gänzlich ausgeraubt, so auch im Branntweingeschäft des Josef Fischer grossen Schaden angerichtet und im Bräuhaus Stein u. Iritzer sämtliche Fenster eingeschlagen . . . Den 29. September hat die Sache eine andere Wendung genommen, es ist von Pest der *) Ein Exemplar bewahrt noch Herr Direktor Paul Lunzer in Budapest. ■) Jakob Kohn, (R. Koppel Kohn). 23

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